Unser Wahlprogramm für die Landtagswahl 2026
Klare Kante GRÜN -
Für Mensch und Natur in MV
6. Bildung: Wir wollen Chancengerechtigkeit von Anfang an
Freundschaften beginnen im Sandkasten. In Jugendclubs werden Talente entdeckt, auf Sportplätzen wachsen Teamgeist und Selbstvertrauen. Auf Schulhöfen und in der Mensa entstehen Ideen, die die Welt verändern können.
Doch diese Chancen werden gerade verspielt.
Wenn in Kitas kaum noch Zeit für Förderung, Spielen und echte Zuwendung bleibt, die Zahl der Schulabbrüche mit über 10 Prozent wieder Rekordwerte erreicht, Schule zum Abstellgleis wird, junge Menschen den Glauben an ihren eigenen Weg verlieren und Lehramtsstudenten massenhaft hinschmeißen, verbauen wir uns unsere Zukunft. Wie wir ins Leben starten, prägt alles, was folgt – für jeden Einzelnen und für unser ganzes Land. Deshalb darf gerade in Kita und Schule nicht gespart werden – dafür sorgen wir.
Gute Kinderbetreuung in Kita und Hort sichern wir durch bessere Betreuungsschlüssel. Schüler*innen brauchen mehr Mitbestimmung und Lehrkräfte mehr Unterstützung durch multiprofessionelle Teams. Wir erschaffen neue Wege zum Wissen: zeitgemäß, fair, flexibel und lebenslang, sodass Lernen wieder Spaß macht, die Neugier zurückkehrt und gestillt wird und Eltern sich wieder darauf verlassen können, dass Betreuung und Unterricht funktionieren.
Für ein Mecklenburg-Vorpommern, in dem alle gut lernen können, fordern wir:
- Kleinere Gruppen in der Kita: Wir senken den Betreuungsschlüssel in Krippe, Kita und Hort konsequent. Und unsere guten Erzieher*innen wollen wir behalten, nicht entlassen. Denn Bildung muss von Anfang an unabhängig vom Geldbeutel und den Voraussetzungen im Elternhaus sein. Damit unsere Kinder die Aufmerksamkeit bekommen, die sie brauchen.
- Starke Lehrkräfte: An allen Schulen wollen wir multiprofessionelle Teams ermöglichen: Lehrkräfte, Fachleute für Sonderpädagogik, Schulsozialarbeit und Psychologie, Assistent*innen für Verwaltungsarbeiten und Co. arbeiten künftig Hand in Hand. Damit Lehrkräfte sich wieder auf Unterricht konzentrieren können und kein Kind durchs Raster fällt.
- Mehr Mitbestimmung für Schüler*innen: Schulen sollen wieder mehr Eigenständigkeit und Weiterentwicklung ermöglichen. Dafür muss die Schüler*innenvertretung stärker in Prozesse einbezogen werden. Damit Schüler*innen ihre Schule mitgestalten können und sehen, dass ihre Stimme zählt.
6.1. Kita-Betreuungsschlüssel senken und Qualität verbessern
Ob ein Kind morgens gern in die Kita geht, hängt oft an etwas Einfachem: Ist da jemand, der Zeit hat? Zeit zum Trösten, zum Zuhören, zum Fördern?
Doch genau diese Zeit fehlt viel zu oft. Zu große Gruppen, zu wenig Personal und Horte, die oft nur nebenher mitlaufen, gehen zulasten der Kinder und der Fachkräfte.
Wenn Kinder aufbewahrt und nicht betreut werden, belastet das die Familien jeden Tag und Kinder oft weit darüber hinaus.
Sinkende Geburtenzahlen dürfen deshalb kein Vorwand für Stellenabbau sein. Sie sind die Chance, Qualität endlich spürbar zu verbessern.
Genau das machen wir. Wir verbessern die Betreuungsschlüssel deutlich und nutzen sinkende Geburtenzahlen für kleinere Gruppen statt für Personalabbau. Wir stehen zur beitragsfreien Kita. Gute Standards und Qualität sichern wir gesetzlich ab und verzahnen sie enger mit den Bildungszielen im Land. Wir sorgen dafür, dass Inklusion in der frühkindlichen Bildung flächendeckend und verbindlich umgesetzt wird. Betreuung muss sich am Bedarf der Familien orientieren – nicht an bürokratischen Hürden. Darum treten wir auch dafür ein, dass alle Kinder das Recht auf einen vollen Ganztagsplatz erhalten. Damit entlasten wir zugleich alle Eltern von der aufwendigen Antragsbürokratie.
So schaffen wir Kitas, in denen Kinder gut aufwachsen und Fachkräfte gute Arbeit leisten können.
Damit Erzieher*innen genügend Zeit für alle Kinder haben, werden wir:
- Den Betreuungsschlüssel verbessern: Wir wollen keine Erzieher*innen entlassen, sondern stattdessen mehr Qualität und kleinere Gruppen (1:4 Krippe, 1:10 Kita, 1:17 Hort)
- Mit dem „Zukunftspakt“ Kita Standards und Qualität gesetzlich verankern und mit den Bildungsstandards verzahnen.
- Ein Förderprogramm für gute Verpflegung aus regionaler, ökologischer Erzeugung aufsetzen. Dabei orientieren wir uns an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
- Kindertagespflegepersonen, die Fachstandards erfüllen, dementsprechend bezahlen.
- Horte als Bildungsorte verstehen und enger an Grundschulen anbinden.
6.2. Lehrkräfte stärken
Gute Schule kann nur funktionieren, wenn sie eine positive und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Schüler*innen und Lehrkräften ermöglicht. Doch viele Schulen arbeiten seit Jahren am Limit. Lehrkräfte sollen immer mehr auffangen, obwohl Zeit fehlt und guter Unterricht oft unter Dauerbelastung leidet. Wenn Schule nur noch irgendwie funktioniert, verlieren Schüler*innen Lebenschancen – und Lehrkräfte die Kraft für das, worauf es eigentlich ankommt.
Das ändern wir. Wir stärken Lehrkräfte so, dass sie wieder mehr Luft für guten Unterricht und gute Erziehungsarbeit haben.
Wir werden die sinkenden Schüler*innenzahlen nutzen, um endlich die Pflichtstundenzahl abzusenken, denn Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Bundesländern mit der höchsten Arbeitsbelastung für Lehrkräfte. Wir wollen erreichen, dass möglichst alle offenen Stellen wieder durch vollständig ausgebildete Lehrkräfte besetzt werden können. Dafür erhöhen wir die Zahl der Lehramts-Absolvent*innen gezielt. Schulen sollen keine Orte für Einzelkämpfer*innen sein. Wir setzen auf multiprofessionelle Teams, in denen Fachleute aus Schulpsychologie und Sonderpädagogik wirklich zusammenarbeiten und nicht nebeneinander agieren.
Um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, wollen wir:
- Lehrkräfte entlasten: Sinkende Schüler*innenzahlen ermöglichen die überfällige Absenkung der Pflichtstunden; zugleich reduzieren wir Abordnungen und Verwaltungsaufgaben, denn guter Unterricht braucht Zeit.
- Offene Stellen wieder verstärkt mit vollständig ausgebildeten Lehrkräften besetzen.
- Die Abbruchquoten im Lehramtsstudium senken, indem wir das Studium praxisnäher gestalten und die Qualität der Betreuung im Vorbereitungsdienst verbessern.
- Ein Stipendienprogramm für Lehramtsstudierende in Mangelfächern (z. B. Mathematik, Physik) auflegen.
- Lehrkräfte durch multiprofessionelle Teams stärken: Fachkräfte aus Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, Sonderpädagogik und Inklusionshilfe arbeiten eng mit Lehrkräften und Schüler*innen zusammen.
6.3. Zeitgemäßes Lernen ermöglichen
Schule ist mehr als ein Gebäude oder Stundenplan. Sie ist der Ort, an dem Kinder und Jugendliche wachsen, Neues entdecken und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. Dabei steht Schule vor großen Herausforderungen. In einer Welt, die sich immer schneller wandelt, muss sie Bildungsstandards sichern und zugleich offen und bereit sein für neue Entwicklungen und Erkenntnisse. Steigende Schulabbruchquoten von über 10 Prozent zeigen, dass die rot-rote Koalition dafür keine ausreichenden Voraussetzungen geschaffen hat. Darum müssen wir jetzt handeln!
Wir sind überzeugt: Es existieren viele Wege zu guter Schule und die Schulen wissen oft selbst am besten, was sie zu einem guten Lernort macht. Darum wollen wir den Schulen wieder mehr Eigenständigkeit ermöglichen und dafür sorgen, dass sie dafür bessere Rahmenbedingungen haben. Gemeinsam mit Schüler*innen und Eltern sollen Schulen noch mehr Schwerpunkte setzen und speziellere Angebote schaffen können. Wir wollen Rahmenpläne entschlacken, fächerübergreifendes Lernen erleichtern und mehr Wahlfreiheit bei Bewertungsmethoden geben. Häufige Schulwechsel sind laut Studien nachteilig für den Bildungserfolg. Das gemeinsame Lernen bis Klasse 6 soll künftig möglichst an einem Schulstandort erfolgen. Das Abitur soll wahlweise in 12 oder 13 Jahren absolviert werden. Wir treten weiterhin dafür ein, dass Schüler*innen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf zusammen die Schule besuchen können und wenden uns gegen die AntiInklusionskampagnen anderer Parteien. Wir wollen stärker von erfolgreichen Schulmodellen lernen. So schaffen wir Schulen, die fördern, begeistern und echte Chancen eröffnen.
Um bestmögliche Wege zum Bildungserfolg zu ermöglichen, werden wir:
- Schulen mehr Eigenständigkeit geben und ihre fachliche sowie pädagogische Profilbildung stärken und dies auch an Regionalschulen erleichtern.
- Die MINT-Bildung mit einer Landesstrategie ausbauen, außerschulische Lernorte der Begabtenförderung stärken und die Digitalisierung inklusive verlässlichem technischem Support vor Ort weiter voranbringen.
- Vernetztes Lernen fördern, die Stundentafel entschlacken, die Fächerzahl reduzieren und Verbundfächer unterstützen.
- Außerschulische Lernorte und externe Partner, von Gedenkstätten über Forschungseinrichtungen und Museen bis hin zu Unternehmen, systematisch einbinden.
- Längeres gemeinsames Lernen bis zur 6. Klasse ermöglichen sowie flexible Schulausgangsphasen mit Wahlmöglichkeiten zwischen Abitur nach 12 oder 13 Jahren schaffen.
- Bessere Rahmenbedingungen für Inklusion durch mehr Personal sowie eine angemessene bauliche und technische Ausstattung schaffen.
- Den Austausch zwischen staatlichen und freien Schulen stärken, um gegenseitig von Best-Practice-Beispielen zu profitieren.
6.4. Mitbestimmung ausbauen, gesundes Lernklima fördern
Schule ist nicht nur der Ort, an dem junge Menschen Mathe, Deutsch oder Geschichte lernen, sondern auch Demokratie erleben. Sie erfahren jeden Tag, ob ihre Stimme zählt, und ob sie Mitsprache haben.
Doch davon ist Schule meist weit entfernt. Vieles wird von oben vorgegeben. Schüler*innen erleben Schule oft nicht als Ort, den sie mitgestalten können. Wer Demokratie nie erlebt, lernt auch nicht, Verantwortung zu übernehmen und sich einzumischen.
Zugleich leiden immer mehr junge Menschen an mentalen Problemen. Schule ist dafür nicht immer die Ursache, aber sie muss ein Ort sein, in dem die mentale Gesundheit geschützt und unterstützt wird. Auch dafür ist Mitbestimmung wichtig: Je mehr Schüler*innen zugehört wird, desto eher finden sich Ursachen und Lösungsmöglichkeiten.
Wir wollen die Mitbestimmung der Schüler*innen verbindlich ausbauen und ein gesünderes Lernklima schaffen. Dafür geben wir Schulen wieder mehr Eigenständigkeit, ermöglichen unterschiedliche Wege zum Lernen und stärken die Schulkonferenzen als echte Entscheidungsgremien. Mit einem eigenen Schulbudget schaffen wir außerdem konkrete demokratische Gestaltungsspielräume vor Ort. Gemeinsam mit den Schüler*innen sollen gezielt Programme und Maßnahmen für die Schule entwickelt werden, um die mentale Gesundheit zu unterstützen. Und wir stärken die Medienbildung für Lehrkräfte, damit Schule besser auf Mobbing im Netz, Desinformation und den souveränen Umgang mit digitalen Medien reagieren kann.
So machen wir unsere Schulen zu Orten, an denen Demokratie nicht nur gelernt, sondern gelebt wird.
Für eine demokratischere Schule und ein gesundes Lernklima wollen wir:
- Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe sowie Medienkompetenz verbindlich in der pädagogischen Ausbildung und in den Lehrplänen verankern, insbesondere im Umgang mit Desinformation, Cybermobbing und digitaler Mündigkeit.
- Demokratische Prozesse in Schulen stärken: Schüler*innen stärker an Entscheidungen beteiligen und Schulkonferenzen als transparente, verbindliche Gremien ausbauen.
- Eigene Schulbudgets (1.000-4.000 € je nach Schulgröße) einführen, über deren Verwendung die Schüler*innen in demokratischen Prozessen selbst bestimmen.
- Psychosoziale Beratung an den Schulen ermöglichen und Programme zur Förderung der mentalen Gesundheit von Schüler*innen ausbauen.
- Das Land an den Kosten einer qualitativ hochwertigen DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V)- zertifizierten Kita- und Schulverpflegung beteiligen und entlasten damit Familien. Den Ausbau von Schulküchen fördern wir, damit Kinder frisch zubereitete, warme Mahlzeiten erhalten. Die Ernährungsbildung bauen wir als festen Bestandteil in Kitas und Schulen weiter aus.
- Bildungs- und Klassenfahrten wieder regelmäßig ermöglichen.
- Schule für alle Kinder: Wir ändern das Schulgesetz des Landes, sodass Kinder in den Erstaufnahmeeinrichtungen endlich ein Recht auf Schulbesuch erhalten.
7. Digitalisierung: Wir machen’s einfach, sicher und smart
Papa bucht in der Bahn ganz bequem den Friseurtermin am Handy, Mama verlängert online schnell die Leihfrist in der Bibliothek, Jana macht Hausaufgaben im Lernportal ihrer Schule und Oma sucht im Internet, welche Konzerte und Ausstellungen sie am Wochenende besuchen möchte. Mecklenburg-Vorpommern vernetzt sich zunehmend virtuell. Vom digitalen Klassenzimmer bis zum Online-Shop: Überall entstehen neue Möglichkeiten. Technik macht unser Leben immer einfacher – wenn sie zuverlässig funktioniert.
Doch oft versandet der Fortschritt in alten Strukturen.
Wenn Behörden wichtige Infos hinter komplizierten Antragsverfahren verstecken, Krankenhäuser Opfer von Cyber-Angriffen werden, IT-Systeme völlig veraltet sind, überlastete Mitarbeiter*innen mit unklaren Zuständigkeiten konfrontiert sind, herrscht pures Chaos. Das können wir uns nicht mehr leisten.
Wir verstehen Digitalisierung als Dienstleistung, nicht als Hürdenlauf. Wir wollen die Bürger*innen schützen und unterstützen, Unternehmen Planungssicherheit geben und die öffentliche Verwaltung handlungsfähig machen. Die Digitalisierung gestalten wir effizient, bürgernah und klimagerecht – denn Fortschritt muss immer im Einklang mit der Natur stehen.
Für ein souveränes, gut vernetztes Mecklenburg-Vorpommern fordern wir:
- Das „Einfach-Amt“ für Alle. Wir wollen eine öffentliche Verwaltung, die verständlich, barrierefrei und bürgernah ist – ob beim Online-Antrag oder persönlich vor Ort. Wichtige Informationen, Anträge und Formulare müssen verständlich und für alle zugänglich sein. Anliegen sollen schnell, medienbruchfrei und lösungsorientiert bearbeitet werden können.
- Barrierefreiheit für digitale Angebote der öffentlichen Verwaltung: Wir wollen ein Land, in dem niemand zurückbleibt – ob beim Online-Antrag, im Amt oder bei der Nutzung öffentlicher Dienstleistungen. Wichtige Informationen, Anträge und Formulare müssen endlich verständlich und für alle zugänglich sein. Damit alle ihre Anliegen einfach und ohne Hürden erledigen können.
- Eine gemeinsame IT-Strategie für das Land und die Kommunen: Wir beschleunigen die Bereitstellung digitaler Bürgerdienste, damit Leistungen von Land und Kommunen schneller und flächendeckend online verfügbar sind. So profitieren auch kleinere Kommunen von moderner IT-Infrastruktur und Doppelstrukturen werden vermieden. Damit man in MV alles Wichtige einfach online erledigen kann – egal wo man wohnt.
- Weniger Abhängigkeit von globalen Tech-Konzernen: Für uns ist klar: Der Fokus liegt auf Open Source, offenen Standards und digitaler Souveränität. Damit unsere Daten geschützt und wir selbstbestimmt online sind.
7.1. Klare Strukturen, starke Partnerschaften: Eine Digitalstrategie mit Weitblick
Nicht selten scheitert Digitalisierung an unklaren Zuständigkeiten, unterschiedlichen Systemen oder fehlender Abstimmung zwischen Land und Kommunen. So entstehen statt einfacher Lösungen immer wieder neue Hürden, die den Fortschritt in MV ausbremsen. Wenn jede Behörde ihr eigenes Süppchen kocht, ist Digitalisierung ineffizient und teuer.
Das können wir besser. Wir schaffen klare Strukturen und arbeiten gemeinsam an einer modernen Verwaltung.
Wir entwickeln eine verbindliche Digitalstrategie für das ganze Land, die Ziele, Zuständigkeiten und Qualitätsstandards festlegt und gleichzeitig flexibel bleibt. Land und Kommunen arbeiten dabei eng zusammen, damit überall im Land gleichwertige digitale Angebote entstehen, auch in kleineren Kommunen.
Um eine Digitalstrategie mit Weitblick zu etablieren, schaffen wir:
- Eine verbindliche landesweite Strategie zur Digitalisierung der Verwaltung, die Ziele, Zuständigkeiten und Qualitätsstandards festlegt und gleichzeitig flexibel genug ist, um auf technologische und gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.
- Die gezielte Stärkung des landeseigenen IT-Dienstleisters als zentralen Digitalisierungspartner und mit klaren Aufgaben, ausreichend Handlungsspielraum und den nötigen Ressourcen, um die Verwaltung zukunftsfest weiterzuentwickeln sowie hochwertige Arbeitsplätze zu fördern.
- Starke Kooperationen zwischen Land und Kommunen, damit auch kleinere Kommunen von moderner IT-Infrastruktur profitieren und ein landesweit einheitliches digitales Angebot entsteht.
- Landesweit kompatible, sichere und modulare IT-Lösungen, die offene Schnittstellen nutzen und historisch gewachsene Insellösungen zügig ablösen.
- Digitalisierung nach Bedarf statt nach Prestige und eine Priorisierung von Projekten, die echten Nutzen für Bürger*innen und Beschäftigte und Unternehmen schaffen.
7.2. Datenschutz, Informationssicherheit & Digitale Souveränität
Ohne Vertrauen kann Digitalisierung nicht gelingen. Doch immer wieder führen uns Cyberangriffe, unsichere Systeme und Datenpannen vor Augen, wie verwundbar die digitale Infrastruktur Mecklenburg-Vorpommerns ist. Darüber hinaus sind öffentliche Verwaltungen abhängig von einzelnen Anbietern, wodurch ihre Arbeit unflexibel, unsicher und teuer wird.
Das können wir besser. Wir schaffen mehr digitale Unabhängigkeit, hohe IT-Sicherheit und effizienten Datenschutz.
Wir machen unsere IT-Infrastruktur widerstandsfähiger: durch mehr Personal, gezielte Schulungen und regelmäßige Notfallübungen. Gleichzeitig setzen wir konsequent auf Open-Source-Software und offene Standards, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die digitale Souveränität des Landes zu stärken.
Um Datenschutz und digitale Souveränität zu gewährleisten, werden wir:
- Eine landesweite Open-Source-Strategie mit konkreten Umsetzungsschritten und Zeitplänen entwickeln und durch einen Innovationsfonds die Entwicklung und Anpassung freier Software für die Verwaltung gezielt fördern.
- Konsequent auf Open-Source-Software und offene Standards setzen, um Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu reduzieren und die digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung zu stärken, orientiert am Vorbild Schleswig-Holsteins.
- Die eigenständige landeseigene Datenschutzaufsicht erhalten und einer Zentralisierung auf Bundesebene entgegentreten, damit praxisnaher Datenschutz gewährleistet bleibt und Bürger*innen, Unternehmen sowie Verwaltungen weiterhin eine kompetente Anlaufstelle vor Ort haben.
- Das Informationssicherheitsgesetz evaluieren und praxistauglich machen. Es braucht klare Standards und ausreichende personelle und finanzielle Untersetzung, um IT-Sicherheit in allen Ebenen der Verwaltung sicherzustellen .
- Das Landes-CERT personell deutlich stärken, regelmäßige Notfallübungen durchführen und ein flächendeckendes Schulungsprogramm etablieren, um die Verwaltung besser gegen Cyberangriffe zu schützen.
7.3. Digitalisierung ökologisch gestalten: nachhaltige Verwaltung
Wird Digitalisierung nicht vorausschauend umgesetzt, kostet sie Unmengen an Ressourcen. Server und Rechenzentren verbrauchen schon heute viel Strom und treiben den Energieverbrauch weiter in die Höhe. Wenn Digitalisierung nicht nachhaltig gestaltet wird, werden Probleme verschoben statt gelöst.
Das machen wir grundlegend anders. Wir verbinden digitalen Fortschritt mit ökologischem Verantwortungsbewusstsein.
Bei jedem Digitalisierungsprojekt soll künftig von Anfang an Nachhaltigkeit verbindlich mitgedacht werden. So achten wir darauf, Rebound-Effekte frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Im selben Atemzug reduzieren wir den Papierverbrauch in der Verwaltung konsequent: durch digitale Prozesse, rechtssichere elektronische Signaturen und nutzerfreundliche Online-Dienste.
Für eine Digitalisierung, die unsere Ressourcen schont, wollen wir:
- Bei allen Digitalisierungsprojekten von Anfang an Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, auch um Rebound-Effekte frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.
- Eine bedarfsgerechte Digitalisierung vorantreiben, die technologische Möglichkeiten sinnvoll nutzt und Künstliche Intelligenz nur dort und so einsetzt, wo sie nachweislich Mehrwert schafft und ressourceneffizient arbeitet.
- Den Papierverbrauch in Behörden durch konsequente Digitalisierung von Prozessen, rechtssichere elektronische Signaturen und nutzerfreundliche Online-Dienste deutlich reduzieren.
- Längere Nutzungszyklen für IT-Hardware etablieren und die Förderung von Repair-Cafés ausbauen.
7.4. Digitale Behördengänge barrierefrei machen
Digitalisierung muss für alle funktionieren. Aber Formulare sind oft kompliziert, Webseiten unübersichtlich und wichtige Informationen nur schwer verständlich. Dadurch werden digitale Angebote für Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen oder Menschen mit geringen Sprachkenntnissen zu einem Buch mit sieben Siegeln.
Das ändern wir. Wir machen digitale Angebote für alle zugänglich. Denn wenn Menschen ausgeschlossen werden, verfehlt Digitalisierung ihr Ziel.
Wir sorgen dafür, dass Informationen, Online-Anträge und Formulare verständlich und barrierefrei gestaltet werden – in Leichter Sprache und in MV gängigen Fremdsprachen. Darüber hinaus wird Barrierefreiheit zum Standard: bei der Entwicklung, bei Vergaben und bei allen neuen Anwendungen.
Für eine Digitalisierung, von der alle etwas haben, wollen wir:
- Medienhelfer*innen als ehrenamtliche, schulische oder bei den Bibliotheken angesiedelte Hauptamtliche etablieren, um bei der Digitalisierung niemanden zu verlieren und Doppelstrukturen konsequent zu vermeiden.
- Sicherstellen, dass digitale Angebote für alle Menschen unabhängig von Behinderung und Alter zugänglich sind, indem Anwendungen verbindliche Barrierefreiheitsstandards erfüllen und unter Einbeziehung unterschiedlicher Nutzergruppen entwickelt und getestet werden.
- Wichtige Informationen, Online-Anträge und Formulare in Leichter Sprache sowie neben Deutsch auch in den wichtigsten in Mecklenburg-Vorpommern gesprochenen Fremdsprachen bereitstellen.
- Barrierefreiheit als verbindliches Kriterium bei allen Vergaben verankern, Fortschritte regelmäßig überprüfen und transparent machen sowie ab 2028 ausschließlich vollständig barrierefreie Neu- und Weiterentwicklungen von Landessoftware zulassen.
8. Wohnraum: Wir machen Mieten wieder bezahlbar
Bunte Giebelhäuser in den Hansestädten, die 3-Raumwohnung in der Platte, das schöne Bürgerhaus in der Kleinstadt, der alte Dreiseitenhof zwischen Seen und Feldern, krumme Fachwerkhäuser, Stimmengewirr auf Marktplätzen: Wohnen in Mecklenburg-Vorpommern ist mehr als nur vier Wände und ein Dach über den Kopf. Es bedeutet Heimat, Rückzugsort, Familie und Nachbarschaft. Unsere Wohnung ist der Ort, an dem wir unser Leben gestalten.
Doch wer kann sich eine passende Wohnung heute noch leisten?
Wenn Mieten explodieren und Familien, Alleinerziehende, Auszubildende, oder Senior*innen sich kaum noch eine passende Wohnung leisten können, läuft etwas völlig falsch. Städte spalten sich entlang der Einkommen, Kleinstädte und Dörfer verlieren Menschen, und Wohnraum wird inzwischen oft zum Luxus. Das stoppen wir.
Wir handeln, damit MV ein Land bleibt, in dem alle ihren passenden Platz finden. Wir wollen, dass Menschen hier ein sicheres, bezahlbares und erfüllendes Zuhause finden, in Stadt und Land, an der Küste und im Binnenland. Wohnen ist kein Luxusgut, sondern ein Grundrecht. MV ist für alle da, nicht nur für Besserverdienende, Hotels, Ferienwohnungen oder Büros. Wir denken Wohnen gemeinwohlorientiert neu, damit MV sozial, gerecht und bezahlbar bleibt.
Für ein Mecklenburg-Vorpommern, in dem wir gut leben können, fordern wir:
- Mehr bezahlbaren Wohnraum: Wir stocken das Landeswohnraumprogramm „Wohnungsbau sozial“ spürbar auf. Damit alle Menschen wieder eine Wohnung finden, die sie sich leisten können.
- Eine Mietpreisbremse: Wir werden die Mietpreisbremse und das Mietrecht konsequenter durchsetzen. Damit die Mieten in den Uni-Städten, aber auch in den Küsten- und Tourismusregionen nicht weiter explodieren.
- Einen Landesbodenfonds: Wir geben den Kommunen durch ein Landesdarlehen die Handlungsfähigkeit, Grundstücke und Gebäude zu erwerben. Damit schneller und günstiger Wohnungen gebaut werden können; auch dort, wo der Markt versagt.
8.1. Beschleunigung im Planungs- und Baurecht
Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht von selbst. Viel zu oft scheitert Bauen an langen Verfahren, komplizierten Regelungen, übertriebenen Vorgaben und unzureichender Koordination. Im Resultat wird weniger gebaut als möglich und zu selten die Gebäude genutzt, die schon da sind. Wenn Planung, Genehmigung und Bau zu lange dauern, verschärft sich die Wohnungsnot immer weiter.
Das ändern wir. Wir wollen Genehmigungen vereinfachen und beschleunigen, schnelleres Bauen ermöglichen und vorhandenen Wohnraum besser nutzen.
Dafür beschleunigen wir Planungs- und Bauverfahren durch schlankere Bebauungsplanverfahren und digitale Bauanträge. Dachaufstockungen, An- und Ausbauten sowie die Umwandlung leerstehender Gebäude in Wohnraum wollen wir erleichtern. Standardisierte Gebäudetypen und serielle Bauweisen sollen einfacher und schneller zugelassen werden. Zusätzlich wollen wir Leerstand aktiver managen. In der Summe werden diese Maßnahmen den Wohnungsbau im Land gezielt voranbringen.
Für mehr Tempo bei der Schaffung von Wohnraum wollen wir:
- Den digitalen Bauantrag flächendeckend und zügig einführen.
- Ausreichende Personalkapazitäten in den Bauämtern sicherstellen.
- Den „Bauturbo“ des Bundes insbesondere für Innenentwicklung, Nachverdichtung und vereinfachtes Bauen im Bestand nutzen, um langwierige Bauleitplanungsverfahren, hohe Erschließungskosten und zusätzlichen Flächenverbrauch auf der grünen Wiese zu vermeiden.
- Den Gebäudebestand und die vorhandene Infrastruktur effizienter nutzen, etwa durch erleichterte Dachaufstockungen und -ausbauten sowie die Umwandlung leerstehender Gewerberäume in Wohnraum.
- Bauzeiten verkürzen, indem standardisierte Gebäudetypen und serielle Bauweisen einfacher zugelassen und landesweit anerkannt werden.
- Leerstand aktiv managen, etwa durch kommunales Leerstands- und Brachflächenmanagement sowie die Förderung temporärer Zwischennutzungen.
8.2. Soziale Wohnraumförderung ausbauen
Bezahlbarer Wohnraum scheitert oft am Geld. Hohe Baukosten, fehlender Zugriff auf Grundstücke, komplizierte Förderwege und Finanzierungshürden bremsen vielerorts Neubau, Umbau und Sanierung. Gleichzeitig fehlen in vielen Kommunen die Mittel, um leerstehende Gebäude zu erwerben, zu sanieren und so Dorfkerne wiederzubeleben. Wenn bezahlbares Wohnen am fehlenden Geld scheitert, verlieren wir beides: Wohnraum und lebendige Orte.
Damit alle gut leben können, wollen wir bezahlbares Wohnen gezielter fördern und Kommunen stärker dabei unterstützen, vorhandenen Wohnraum zu erhalten, wieder zu aktivieren und gegebenenfalls auch sozial nachhaltigen Wohnraum neu zu schaffen.
Wir reformieren und stärken die Wohnungsbauförderung im Land mit zinsgünstigen Darlehen, attraktiven Tilgungszuschüssen für Sozialwohnungen. Mit Programmen wie „Neuer Schwung für alte Orte“ und „Jung kauft Alt“ wollen wir Dorfkerne beleben, bestehende Gebäude sanieren und untergenutzten Wohnraum erschließen. Gleichzeitig fördern wir Wohnraumanpassungen im Alter, damit Menschen im Alter möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld wohnen bleiben können.
Wir fördern bezahlbares Wohnen, indem wir:
- Ein Landesprogramm „Neuer Schwung für alte Orte“ sowie „Jung kauft Alt“ aufsetzen, um Bestandsimmobilien für junge Familien zu erschließen, Dorfkerne zu beleben und die Sanierung alter Gebäude zu unterstützen.
- Das Landeswohnraumförderprogramm „Wohnungsbau Sozial“ aufstocken und reformieren, unter anderem durch zinsgünstigere Darlehen und höhere Tilgungszuschüsse für Sozialwohnungen, eine möglichst lange Mietpreisbindung sowie die Einführung neuer Fördersparten für altersgerechte, bezahlbare Wohnformen und die Aktivierung von Leerstand in zentralen Ortslagen.
- Mit einem Aktionsprogramm des Landes neuen Schwung in den Wohnungsmarkt bringen. Im Laufe der Jahre verändern sich Lebensumstände, und irgendwann entspricht die Wohnung nicht mehr den eigenen Bedürfnissen. Familien suchen mehr Platz, ältere oder alleinstehende Menschen wünschen sich häufig kleinere, besser passende Wohnungen. Doch hohe Mieten und hohe Wechselkosten verhindern oft, dass solche Umzüge stattfinden. Dafür braucht es ein vom Land finanziertes Beratungs- und Vernetzungsprogramm. Wir nennen das „Aktionsprogramm Wohnungstauschbörse MV“ – AWT-MV. Damit werden Anlaufstellen für Beratungen und Netzwerker finanziert und das Beratungsangebot sichtbar gemacht.
- Den Umbau von Bestandsgebäuden und den Neubau für innovative Seniorenwohnformen in zentralen Ortslagen fördern. Damit können Großwohnungen und Einfamilienhäuser frei werden für junge Familien und gleichzeitig erhalten die zentralen Ortslagen neues Leben. So organisieren wir eine Win-Win-Situation, von der alle etwas haben.
- Das Mehrgenerationenwohnen stärker ermöglichen, fördern und publik machen. So senken wir Wohnkosten, erhöhen die Lebensqualität und verzögern das Einsetzen von Pflegebedürftigkeit.
8.3. Kommunale Bodenpolitik stärken
Ohne Bauland oder die Reaktivierung von Brachflächen und Leerstand entsteht kein Wohnraum. Doch vielerorts fehlt es entweder an verfügbaren Flächen oder diese sind so teuer, dass bezahlbares Wohnen kaum noch möglich ist. Wenn Boden zum Spekulationsobjekt wird, wird Wohnen unbezahlbar.
Wir holen daher den Boden zurück in öffentliche Hand und steuern damit z. B. den sozialen Wohnungsbau sowie die Neunutzung von brachliegenden Flächen oder leerstehenden Gebäuden in zentralen Ortslagen.
Wir unterstützen deshalb von Landesseite eine aktive Bodenpolitik der Kommunen, durch die Einrichtung eines Landesbodenfonds. Durch günstige Landeskredite aus dem Fonds ermöglichen wir den Kommunen die langfristige Zwischenfinanzierung des strategischen Ankaufs von Grundstücken und Immobilien und stärken die kommunale Bodenvorratspolitik. Damit ermöglichen wir den Kommunen die Steuerung von sozialen und gemeinwohlorientierten Projektentwicklungen zum Beispiel im Wohnungsbau und gleichzeitig die Stärkung ihrer zentralen Ortslagen.
Öffentliche Flächen vergeben wir zukünftig vorrangig im Erbbaurecht, statt sie durch Verkauf zu privatisieren. Damit wirken wir der überhandnehmenden Bodenspekulation entgegen.
Für gemeinwohlorientierte Bodenpolitik und Wohnraumentwicklung wollen wir:
- Einen Landesbodenfonds einrichten, um Kommunen zu befähigen, Flächen strategisch anzukaufen und die soziale Wohnraumentwicklung durch kommunale Bodenbevorratung wieder stärker selbst zu steuern.
- Immobilien und Flächen in öffentlichem Besitz künftig vorrangig im Erbbaurecht vergeben, um Bodenspekulation zu begrenzen und langfristig Einnahmen für die öffentliche Hand zu sichern.
- Durch eine strategische Bodenpolitik bezahlbares Wohnen mit der Wiederbelebung zentraler Ortslagen verbinden.
8.4. Miet- und Sozialpolitik zusammen denken
Wohnen darf kein Luxus sein. Doch die Mieten steigen besonders in den Städten und Tourismusregionen so sehr, dass Familien, Auszubildende, Studierende und Senior*innen dort kaum noch bezahlbare Wohnungen finden.
Das nehmen wir nicht hin. Wir sorgen dafür, dass Mieten für alle bezahlbar bleiben.
Daher führen wir die Mietpreisbremse in angespannten Wohnungsmärkten konsequent ein und ergänzen sie durch ein wirksames Zweckentfremdungsverbot. Parallel dazu stärken wir den sozialen und barrierefreien Wohnungsbau mit höheren Sozialwohnungsquoten, der Entfristung der Sozialbindung und gezielter Förderung von Genossenschaften und anderen sozial-innovativen Wohnformen. Auch Wohnangebote für Studierende und Auszubildende, Senior*innen , Menschen mit Behinderungen und betreute Wohngruppen bauen wir in angespannten Wohnungsmärkten aus. Wohnungslosigkeit bekämpfen wir mit dem Housing-First-Prinzip: Zuerst eine eigene Wohnung, denn stabile Wohnverhältnisse sind die Grundlage für soziale Teilhabe, Gesundheit und gesellschaftliche Integration.
Damit Mieten für alle bezahlbar bleiben, fordern wir:
- Die konsequente Anwendung der Mietpreisbremse in Universitätsstädten sowie in Küsten- und Tourismusregionen und die wirksame Kontrolle des Zweckentfremdungsverbots.
- Die Erhöhung der Sozialwohnungsquote bei Neubauten.
- Eine möglichst lange Mietpreisbindung für Sozialwohnungen.
- Die gezielte Stärkung von Genossenschaften und anderen gemeinnützigen Wohnformen sowie die Förderung von Wohnangeboten für Auszubildende, Studierende, Senior*innen und betreute Wohngruppen.
- Die landesweite Förderung von Housing-First-Modellen zur nachhaltigen Bekämpfung von Wohnungslosigkeit.
- Die Bereitstellung von dauerhaftem Wohnraum für wohnungslose Menschen in Kooperation mit Kommunen, Wohnungsunternehmen und sozialen Trägern.
8.5. Baukosten reduzieren
Hohe Baukosten treiben Mieten nach oben und bremsen den Wohnungsbau aus. Zu komplizierte Regeln, langwierige Verfahren und übertriebene Standards machen das Bauen vielerorts teurer, als es sein müsste. Teuer bauen verhindert aber bezahlbaren Wohnraum.
Das ändern wir. Wir wollen Baukosten senken, ohne Qualität und Sicherheit aus dem Blick zu verlieren.
Dafür vereinfachen wir die Landesbauordnung, überprüfen technische Standards konsequent auf ihre Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit. Wir reduzieren Vorgaben wie z. B. die Stellplatzpflicht dort, wo sie den Wohnungsbau unnötig verteuern. Gleichzeitig fördern wir serielle und modulare Bauweisen, um schneller und günstiger bauen zu können.
Um Baukosten zu senken, wollen wir:
- die Landesbauordnung vereinfachen, indem Vorschriften auf ihren Nutzen hin überprüft und das Bauen im Bestand erleichtert wird.
- Die Stellplatzpflicht für Autos flexibilisieren und reduzieren.
- Die serielle und modulare Bauweise stärker fördern.
- Das Bauen mit vereinfachten technischen Standards erleichtern.
9. Gesundheit: Wir sind füreinander da, überall
Im Trebeltal sitzt eine ältere Frau frühmorgens am Küchentisch, den Arzttermin vor Augen – und weiß, dass sie stundenlang unterwegs sein wird. In einem Dorf bei Crivitz macht sich eine Familie Sorgen, weil ihr Kind keinen Facharzttermin bekommt. Und überall in MV schaffen es pflegende Angehörige kaum noch, ihren Beruf mit der Pflege ihrer Liebsten zu vereinbaren, weil sie Versorgungslücken ausgleichen müssen, für die kein ausreichendes professionelles Angebot bereitsteht. Doch die Versorgung kränkelt.
Wenn Wege zu Ärzt*innen immer länger werden, Termine beim Hautarzt kaum zu bekommen sind und Versorgung vom Wohnort abhängt, entstehen Unsicherheit und ein Ungleichgewicht in der Bevölkerung. Gesundheit darf aber kein Glück sein. Sie muss überall da und für alle verlässlich sein.
Wir wollen ein Mecklenburg-Vorpommern, in dem alle Menschen gut versorgt sind; unabhängig davon, ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben. Praxis? Nah! Das ist unser Grundsatz. Dafür verbinden wir Nähe mit Innovation, stärken die Versorgung vor Ort und denken Gesundheit neu: vernetzt, solidarisch und für alle erreichbar.
Für eine gute Gesundheitsversorgung in Mecklenburg-Vorpommern fordern wir:
- Regionale Gesundheitsnetzwerke: Wir entwickeln auf regionalen Gesundheitskonferenzen die wohnortnahe medizinische Versorgung weiter – mit dem Aufbau eines flächendeckenden Netzes von regionalen Gesundheitszentren mit interdisziplinären Teams aus (Fach-)Ärzt*innen, Pflegekräften und Therapeut*innen in jeder mittelgroßen Stadt. Damit der Weg zur Ärztin oder zum Arzt nicht immer länger wird.
- Krankenhausreform vorantreiben: Durch die sektorenübergreifende medizinische Versorgung, die bedarfsgerechte Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Leistungen im ländlichen Raum sowie durch eine angemessene Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser stellen wir die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung sicher.
- Die Schaffung innovativer Versorgungsangebote: Indem wir mobile Praxen, Telemedizin, Gesundheitskioske und die Mobilität des medizinischen Personals fördern, stärken wir vor allem unterversorgte Gebiete. Die ambulante und stationäre Versorgung denken wir dabei immer zusammen. Damit medizinische Hilfe auch dort ankommt, wo sie heute fehlt.
- Gemeindeschwestern wieder stärken: Wir wollen flächendeckend „Community Health Nurses“ (Gemeindeschwestern) etablieren, um die gesundheitliche Versorgung vor Ort zu verbessern und sicherzustellen, dass Menschen wohnortnah Unterstützung erhalten.
9.1. Gesundheits- und Pflegeberufe aufwerten
Pflegekräfte, Ärzt*innen, Therapeut*innen und viele weitere Fachkräfte sichern täglich die medizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern – in Praxen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und bei den Menschen zu Hause. Doch ihre Arbeit ist oft von Personalmangel, hoher Belastung und zu wenig Zeit für die eigentliche Versorgung geprägt. Viele verlassen den Beruf, während gleichzeitig zu wenige nachkommen. Wenn die Arbeitsbedingungen nicht stimmen, gerät die Versorgung insgesamt unter Druck.
Das ändern wir. Wir verbessern die Arbeitsbedingungen durch verlässliche Personalbemessung, planbare Dienste und spürbare Entlastung im Alltag. Gleichzeitig stärken wir die Ausbildung: durch bessere Bedingungen, mehr Flexibilität und eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Praxis. So sorgen wir dafür, dass mehr Menschen den Beruf ergreifen und langfristig in der Pflege bleiben.
So sorgen wir für gute Arbeitsbedingungen und eine Versorgung, auf die Verlass ist.
Für gute Arbeitsbedingungen werden wir:
- die Arbeitsbedingungen in den Gesundheits- und Pflegeberufen strukturell verbessern und die Beschäftigten vor Gewalt und Belästigung schützen.
- Die digitale Vermittlung von Ausbildungsinhalten ausbauen und erleichtern.
- Eine zentrale Koordinierungsstelle „Pflegeausbildung“ einrichten, um Pflegeschulen, Träger der praktischen Ausbildung und Praxisanleiter*innen besser zu vernetzen.
- Teilzeit- und berufsbegleitende Ausbildungswege stärken und eine echte Durchlässigkeit von der Assistenz bis zur akademischen Ausbildung schaffen.
9.2. Fachkräftemangel beseitigen
Termine werden knapper, Stationen schließen, Wartezeiten steigen. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist längst Realität.
Dabei liegt das Problem nicht am fehlenden Engagement der Beschäftigten, sondern an den Rahmenbedingungen. Zu wenige Ausbildungsplätze, zu lange Anerkennungsverfahren und zu wenig Unterstützung im Arbeitsalltag bremsen das System aus. Wenn Fachkräfte fehlen, bleibt Versorgung auf der Strecke.
Das können wir nicht akzeptieren. Wir machen Mecklenburg-Vorpommern zu einem Gesundheitsland mit starken Fachkräften.
Wir gewinnen mehr Menschen für Pflege- und Gesundheitsberufe durch bessere Ausbildungs- und Studienbedingungen, faire Bezahlung und moderne Arbeitsstrukturen. Dazu gehört auch, internationale Fachkräfte schneller zu integrieren. Gleichzeitig stärken wir multiprofessionelle Teams und nutzen digitale Unterstützung, um die Arbeit im Alltag spürbar zu entlasten.
So sichern wir die Versorgung im ganzen Land.
Wir sorgen für mehr Fachkräfte, indem wir:
- Das Praktische Jahr im Medizinstudium einheitlich auf Grundlage des aktuellen BAföG-Höchstsatzes vergüten.
- Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse beschleunigen und verbessern.
- Die Zahl der Medizinstudienplätze an beiden Landesuniversitäten erhöhen.
- Die Digitalisierung in der Pflege fördern, insbesondere durch telemedizinische Unterstützung, digitale Dokumentation und Assistenzsysteme für die häusliche Pflege.
9.3. Seelische Gesundheit erhalten
In psychischer Not wochenlang auf eine psychosoziale Beratung oder einen Therapieplatz warten. Allein bleiben mit Sorgen, die immer größer werden. Für viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ist das die bittere Realität. Dabei sind psychische Erkrankungen keine Randerscheinung. Sie betreffen Menschen jeden Alters und aus allen Lebensbereichen.
Auch bei psychischen Erkrankungen muss Unterstützung für alle erreichbar und verfügbar sein, damit Hilfe nicht zu spät kommt und die Erkrankung schnell behandelt wird.
Wir bauen psychotherapeutische und psychiatrische Angebote aus und verkürzen so Wartezeiten. Gleichzeitig stärken wir Prävention und Beratung.
Auch neurodivergente Menschen behalten wir im Blick: Wir verbessern und steigern die Kapazität von Diagnostik, Beratung und Behandlung für neurodivergente Menschen und beziehen ihre Bedürfnisse stärker in die Versorgung ein.
Und wir fangen früh an: Mentale Gesundheit gehört in Schulen. Mit Aufklärung, geschultem Personal und verlässlicher Unterstützung sorgen wir dafür, dass junge Menschen nicht allein gelassen und sensibilisiert werden.
So schaffen wir ein Land, in dem seelische Gesundheit ernst genommen und Stigmatisierung von psychisch Erkrankten verringert wird.
Für eine moderne Politik zum Erhalt der seelischen Gesundheit setzen wir auf:
- Den Abbau von Wartezeiten durch einen bedarfsgerechten Ausbau psychiatrischer und psychotherapeutischer Angebote für alle Altersgruppen, insbesondere für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, auch im ländlichen Raum.
- Eine stärkere regionale Vernetzung von ambulanter und stationärer Versorgung, psychosozialer Beratung und Eingliederungshilfe, um Brüche in der Versorgung zu vermeiden.
- Den flächendeckenden Aufbau von Krisendiensten für schnelle und niedrigschwellige Hilfe in akuten Situationen.
- Den Ausbau von Wohn- und Betreuungsangeboten für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, die Vermeidung von Entlassungen in Obdachlosigkeit sowie die stärkere Einbindung von Erfahrungsexpert*innen.
- Die Sicherung und Weiterentwicklung der Suchtberatung, eine verlässliche Präventionsstrategie sowie den Ausbau niedrigschwelliger Hilfsangebote einschließlich Drugchecking.
- Den Abbau von Stigmatisierung, die Stärkung der Teilhabe, die bessere Unterstützung neurodivergenter Menschen sowie die Förderung mentaler Gesundheit in Schulen durch Prävention, Beratung und ausreichend Schulsozialarbeit.
9.4. Gesund und gut beraten in jedem Alter
Wir alle kennen die Situation: Der nächste Arzttermin liegt Wochen entfernt, die richtige Anlaufstelle bleibt unklar und Unterstützung ist kaum zu finden. Besonders im ländlichen Raum oder in schwierigen Lebenslagen wird die Suche nach Unterstützung schnell zu einer großen und zusätzlichen Belastung. Deshalb muss für Menschen jeden Alters und in jeder Lebenslage ein verlässliches, leicht erreichbares Beratungsnetzwerk entstehen.
Wir setzen uns für ein dichtes Netz wohnortnaher Beratungsangebote ein, das landesweit gleichermaßen verfügbar ist. Durch den Ausbau von Beratungsstellen und die Förderung lokaler Selbsthilfegruppen schaffen wir Orientierungspunkte, an die sich jede Person sofort wenden kann.
Gesundheitslots*innen sollen in sozialen Brennpunkten und ländlichen Gemeinden ausgebildet werden, um Menschen insbesondere in ländlichen Kommunen und sozialen Brennpunkten kompetent durch das komplexe Gesundheitssystem zu führen.
Um allen Altersgruppen ein sicheres Umfeld zu bieten, bauen wir Angebote zur Suchtberatung und sexuellen Gesundheit konsequent aus. Unabhängige Ansprechpersonen sollen in jeder Region erreichbar sein, damit niemand allein bleibt.
Um Menschen jeden Alters und in jeder Lebenslage Zugang zum Gesundheitssystem zu ermöglichen, werden wir:
- Wohnortnahe Beratungsangebote stärken und Selbsthilfegruppen sowie Patient*innenorganisationen flächendeckend unterstützen.
- Die Ausbildung von Gesundheitslots*innen in sozialen Brennpunkten und ländlichen Regionen fördern.
- Beratungsangebote zu Suchterkrankungen und sexueller Gesundheit ausbauen und unabhängige Ansprechpersonen in allen Regionen stärken.
- Unabhängige Patient*innenbeauftragte in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt etablieren, angebunden an die Gesundheitsämter.
- Die Beratung zu genderspezifischen Gesundheitsangeboten gezielt fördern.
9.5. Älterwerden und Pflege würdig gestalten
Pflege wird in Mecklenburg-Vorpommern für viele Familien zur täglichen Herausforderung. Angehörige übernehmen Verantwortung, während professionelle Pflegekräfte unter hohem Zeitdruck arbeiten und Angebote vor Ort fehlen – besonders im ländlichen Raum. Zu viel Bürokratie, zu wenig Personal und lange Wege erschweren eine verlässliche Versorgung.
Wir handeln, damit Pflege wieder verlässlich organisiert ist: mit mehr Fachkräften, besseren Ausbildungsbedingungen und weniger bürokratischen Hürden. Gleichzeitig stärken wir regionale Pflegeangebote, mobile Teams und die Zusammenarbeit von Pflege, Medizin und Angehörigen. So sorgen wir dafür, dass Menschen auch im Alter oder bei Pflegebedarf gut versorgt werden – in der Stadt wie auf dem Land.
Für eine professionelle Pflege und ein würdiges Lebensende wollen wir:
- Die Arbeit multiprofessioneller Teams aus Pflegefachpersonal, Ärzt*innen und weiteren Gesundheitsberufen unter Einbeziehung von Angehörigen stärken.
- Die akademische und schulische Pflegeausbildung weiterentwickeln, Hochschulkapazitäten ausbauen und die berufliche Ausbildung durch einen höheren Praxisanteil stärken.
- Pflegeangebote in unterversorgten Regionen gezielt fördern und mit nachbarschaftlichen Unterstützungsstrukturen sowie Wohn- und Pflegeformen wie Pflege-WGs, Servicewohnen und Tagespflege sinnvoll verzahnen.
- Mehr Zeit für die Versorgung und weniger Bürokratie in der Langzeitpflege ermöglichen, indem Doppelprüfungen vermieden, Informationen gebündelt und klare Standards bei Qualitätsprüfungen eingeführt werden.
- Die bestehenden 19 Pflegestützpunkte in MV zu einem Pflege-Netzwerk mit mobilen Teams ausbauen, das präventive Hausbesuche, Beratung und Koordination von Pflegeleistungen auch im ländlichen Raum sicherstellt.
- Barrierefreiheit im Gesundheits- und Pflegebereich konsequent ausbauen, insbesondere in Einrichtungen der Versorgung.
- Die Aufhebung des Friedhofszwangs und ein modernes Bestattungswesen, das die Wünsche und die Würde der Menschen berücksichtigt.
10. Zusammenleben: Wir bekämpfen Armut strukturell
In Banzkow sitzt man gemeinsam bei Getränken zu Vereinspreisen am Osterfeuer, in Kühlungsborn feiern alle Familien gemeinsam beim Sommerspektakel und kommen am Abend mit Bus oder Fahrgemeinschaft günstig nach Hause. In der Gemeinschaft liegt die Kraft, diese finden wir beim Sport, über den Gartenzaun, bei der Lernhilfe, im Jugendtreff oder im Seniorencafé – hier entsteht Zusammenhalt.
Doch dieses Gefühl, das unsere Gesellschaft zusammenhält geht immer mehr verloren.
Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander, Kinder gehen hungrig in die Schule, manche Familien müssen jeden Euro zweimal umdrehen und das trotz Vollzeitarbeit.
Dieser Zustand, die wachsende Armut in unserem Bundesland muss benannt und strukturell bekämpft werden. Wir wollen ein Land gestalten, in dem alle Menschen kulturell, sozial, wirtschaftlich und gesellschaftlich teilnehmen können und niemand Existenzängste hat.
Dazu schaffen wir verlässliche, niedrigschwellige Zugänge zu Bildung, Kultur, Sport und sozialen Angeboten in allen Regionen. Wir stärken die öffentliche Infrastruktur, sichern bezahlbaren Wohnraum und bauen Beratungs- und Unterstützungsangebote aus, wohnortnah und bedarfsgerecht. Bei Armutsbekämpfung geht es nicht um individuelles Versagen, sondern um strukturelle Ungleichheit. Wir setzen vor allem auf langfristige, strukturelle Lösungen, um Teilhabe in allen Lebensphasen zu sichern.
Für ein Mecklenburg-Vorpommern, in dem alle gut leben können, fordern wir:
- Armut strukturell zu bekämpfen, um den Kreislauf zu durchbrechen. Dafür braucht es zunächst einen regelmäßig evaluierten Landesarmuts- und Reichtumsbericht. Auf dessen Datengrundlage leiten wir gezielte regionale und strukturelle Maßnahmen in den Bereichen Mobilität, Wohnen, Bildung, Arbeit, Ernährung und Energie ab, um Armut nachhaltig zu reduzieren.
- Eine Beteiligung des Landes an den Kosten einer qualitativ hochwertigen DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V) zertifizierten Kita- und Schulverpflegung und entlasten damit Familien. Den Ausbau von Schulküchen fördern wir, damit Kinder frisch zubereitete, warme Mahlzeiten erhalten. Die Ernährungsbildung bauen wir als festen Bestandteil in Kitas und Schulen weiter aus.
- Sprachunterricht von Anfang an: Wir ermöglichen frühzeitig und verbindlich Zugang zu Sprachförderung. So schaffen wir besonders für Menschen mit Migrationsgeschichte einen besseren Zugang zu unserer Gesellschaft und zum Arbeitsmarkt. Damit alle von Anfang an mitkommen und Integration wirklich gelingt.
- In jeder Kommune und jedem Stadtteil ein Ort der Gemeinschaft: Diese Nachbarschaftstreffs bieten Raum für Veranstaltungen, Geselligkeit und gemeinsames Arbeiten. Für Menschen unter 25 und über 65 sind Veranstaltungen kostenlos. Vereine sollen diese Räumlichkeiten gegen eine minimale Gebühr nutzen können.
10.1. Kinderschutz und Jugendpolitik
Wir wollen Mecklenburg-Vorpommern zu einem Bundesland machen, in dem alle Kinder und jungen Menschen sicher aufwachsen, gehört werden und echte Chancen auf Entwicklung und Teilhabe haben. Dazu bauen wir den präventiven Kinderschutz aus und sorgen für gut erreichbare Beratungs- und Unterstützungsangebote für Kinder, junge Menschen und Familien. Junge Menschen brauchen Räume, in denen sie sich entfalten können. Deshalb fördern wir offene Kinder- und Jugendarbeit, schaffen sichere Treffpunkte und beteiligen junge Menschen stärker an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen.
Für eine unbeschwerte Kindheit und Jugend wollen wir:
- Die Kinderrechte in der Landesverfassung verankern sowie die politische Teilhabe junger Menschen in Kinder- und Jugendparlamenten stärken.
- Ein „Childhood-Haus“ in jedem Landgerichtsbezirk schaffen, damit Kinder und junge Menschen, die Opfer von körperlicher und sexualisierter Gewalt geworden sind, in einem geschützten Umfeld interdisziplinär betreut werden und Hilfen aus einer Hand erhalten können.
- Ein flächendeckendes und niedrigschwelliges Angebot an Jugendclubs, Vereinen, Kultur-, Musik- und Sportstätten unterstützen.
- Jugendkultur zur Verhinderung von Abwanderung in den Fokus nehmen. Wir richten eine Stabsstelle in der Staatskanzlei ein, die Landesliegenschaften werden auf Doppelnutzung untersucht und Jugendkultur soll auf Landesebene sowie in den Kommunen ausreichend finanziert werden.
10.2. Familien stärken
Für uns ist klar: Nur ein familienfreundliches Mecklenburg-Vorpommern ist auch zukunftsfähig. Wir wollen, dass Mecklenburg-Vorpommern zum Familienland wird. Doch steigende Lebenshaltungskosten und unsichere Einkommen setzen viele unter Druck. Armut gefährdet Teilhabe und Zukunftschancen – das nehmen wir nicht hin. Wir stärken Familien gezielt und bauen dafür die soziale Infrastruktur aus, sichern Beratungsangebote flächendeckend und unterstützen sie durch Entlastungen in der Kita- und Schulverpflegung.
Um Familien zu stärken, wollen wir:
- Einen Kinder- und Jugendbericht in den Armuts- und Reichtumsbericht integrieren.
- Die Tarifbindung in sozialen Einrichtungen stärken.
- Selbsthilfe gezielt unterstützen, indem wir eine Landeskoordinierungsstelle einrichten und Kontaktstellen für Selbsthilfegruppen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten schaffen.
- Die Beratungslandschaft sichern und ausbauen, indem unter anderem die Sozial-, Schuldner-, Sucht- und psychosoziale Beratung flächendeckend und auskömmlich finanziert sowie digitale Angebote ermöglicht werden.
- Eltern stärken, indem wir die bestehenden 16 Modellzentren für Kinder und Familien langfristig sichern und schrittweise flächendeckend ausbauen.
10.3. Arbeitsmarkt und soziale Teilhabe
Arbeit ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe, eröffnet neue Perspektiven und sichert regelmäßiges Einkommen. Doch die Chancen auf gute Arbeit sind nicht für alle Menschen in unserem Land gleich. Sprachbarrieren, befristete Beschäftigung, Behinderung und fehlende Unterstützung beim Einstieg oder Wiedereinstieg sind große Hürden beim Zugang zum Arbeitsmarkt.
Wenn Arbeitsplätze unsicher bleiben und der Niedriglohnsektor vorherrscht, steigt das Risiko von Armut und sozialer Ausgrenzung.
Dem wollen wir entgegentreten.
Deshalb setzen wir uns dafür ein, Hürden beim Zugang zum Arbeitsmarkt abzubauen, unter anderem durch einen frühzeitigen und verlässlichen Zugang zu Sprachförderung und durch Maßnahmen, die faire Zugänge zum Arbeitsmarkt stärken. Gleichzeitig stärken wir Qualifizierung, Wiedereinstieg und Quereinstieg, damit mehr Menschen den Zugang zu Arbeit finden und dauerhaft am Erwerbsleben teilnehmen können. Damit alle schnell in Arbeit kommen.
Für eine faire Arbeitswelt für alle Menschen in MV braucht es:
- Einen frühzeitigen und verbindlichen Zugang zu Sprachförderung als Grundlage für einen diskriminierungsfreien Zugang zum Arbeitsmarkt.
- Eine Vorbildfunktion des öffentlichen Dienstes, insbesondere durch den Verzicht auf sachgrundlose Befristungen.
- Ein Landesarbeitsmarktprogramm zur Förderung von Langzeiterwerbslosen.
- Gezielte Programme für Einstieg, Qualifizierung, Wiedereinstieg und Quereinstieg von Menschen mit und ohne Behinderung in den Arbeitsmarkt.
- Unseren Einsatz für einen armutsfesten gesetzlichen Mindestlohn auch in Werkstätten für behinderte Menschen und eine strukturelle Reform der Bezahlung.