Bildungsbericht: MV braucht Aufstieg statt Herkunftsstempel

Der heute in Berlin vorgestellte nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ zeigt für Mecklenburg-Vorpommern erhebliche Strukturprobleme. Der Bildungserfolg hängt im Nordosten weiterhin viel zu stark vom Elternhaus ab. Gleichzeitig verschärfen sich die Probleme bei Grundkompetenzen, besonders in Mathematik und bei digitalen Kompetenzen.

Dazu erklärt Claudia Müller, Spitzenkandidatin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern:

„Der Bildungsbericht ist ein Alarmsignal für Mecklenburg-Vorpommern. Wenn fast ein Viertel der Jugendlichen, die einen mittleren Schulabschluss anstreben, die Mindeststandards in Mathematik verfehlt, dann reden wir nicht über kleine Lücken. Dann reden wir über ein Bildungsversprechen, das für zu viele Kinder gebrochen wird.

Noch schlimmer ist: Der Bildungserfolg in MV hängt viel zu stark vom Elternhaus ab. Wenn Herkunft über Zukunft entscheidet, ist das kein Bildungssystem, sondern ein Sortiersystem. Ein Kind kann sich sein Elternhaus nicht aussuchen. Politik kann aber verhindern, dass es über seine Chancen bestimmt.

Das Prinzip Gießkanne ist gescheitert. Schulen, die besonders große soziale Herausforderungen stemmen, brauchen auch besonders starke Unterstützung. Geld und Personal müssen dorthin, wo der Druck am größten ist. Wir brauchen einen echten Sozialindex für Mecklenburg-Vorpommern: direkt, unbürokratisch und dauerhaft. Schulen in schwieriger Lage brauchen mehr Schulsozialarbeit, mehr pädagogische Unterstützung, bessere Sprachförderung und kleinere Lerngruppen.

Auch beim Fachkräftemangel darf sich die Landesregierung nicht länger durchwurschteln. Quer- und Seiteneinsteiger*innen sichern an vielen Schulen den Unterricht ab. Sie dürfen aber nicht als Lückenbüßer verheizt werden. Wer vor einer Klasse steht, braucht vom ersten Tag an verlässliche pädagogische Qualifizierung, Begleitung und Entlastung.

Der Geburtenknick eröffnet jetzt ein Zeitfenster. Sinkende Schülerzahlen dürfen nicht zur Kürzungsvorlage für den Finanzminister werden. Kein Euro weniger für Bildung. Frei werdende Ressourcen müssen in bessere Qualität fließen: kleinere Klassen, bessere Förderung und starke Schulstandorte gerade im ländlichen Raum.

MV darf kein Land sein, in dem der Wohnort, der Geldbeutel oder der Bildungsabschluss der Eltern über die Zukunft eines Kindes entscheiden. Wir wollen Aufstieg statt Herkunftsstempel.“

Hintergrund

Der Bildungsbericht 2026 beschreibt für Mecklenburg-Vorpommern deutliche Herausforderungen bei Kernkompetenzen, Bildungsgerechtigkeit und Schulabschlüssen. In Mathematik verfehlen laut Bericht rund 24 Prozent der Schüler*innen, die einen mittleren Schulabschluss anstreben, die verbindlichen Mindeststandards. Bei digitalen Kompetenzen zeigen rund 40 Prozent der Achtklässler*innen erhebliche Schwächen im reflektierten Umgang mit digitalen Medien und Informationstechnologien.

Zugleich bleibt der Bildungserfolg in Mecklenburg-Vorpommern stark an die soziale Herkunft gekoppelt. Kinder aus akademischen oder ökonomisch besser gestellten Haushalten haben deutlich höhere Chancen auf einen Gymnasialbesuch als Kinder aus ärmeren oder nichtakademischen Familien. Zuletzt verließen in Mecklenburg-Vorpommern 1.516 Schüler*innen die allgemeinbildenden Schulen ohne Abschluss. Das entspricht einer Quote von 10,4 Prozent und liegt über dem Bundesdurchschnitt. Verschärft wird die Lage durch personelle Engpässe. Der Unterricht kann vielerorts nur durch Quer- und Seiteneinsteiger*innen abgesichert werden. Die GRÜNEN MV fordern deshalb eine verlässliche berufsbegleitende Qualifizierung, bessere Unterstützung für Schulen in schwierigen Lagen und einen dauerhaften Sozialindex zusätzlich zum Startchancen-Programm.