Ungenügendes Zeugnis für Ministerin Oldenburg – Studie zur Attraktivität des Berufs von Lehrkräften

Claudia Müller, bündnisgrüne Spitzenkandidatin zur Landtagswahl und bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete, erklärt zur Veröffentlichung der Studie der Universität Göttingen zur Attraktivität des Berufs von Lehrkräften:

„Die Studie stellt Frau Oldenburg ein ungenügendes Zeugnis aus. Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern sind massiv unzufrieden, ihre Arbeitsbelastung steigt stetig und macht sie zunehmend krank. Frau Oldenburg muss hier dringend handeln. Wir haben jetzt schon zu wenige Lehrkräfte und es ist klar: So wie es derzeit läuft, bekommen wir die Trendwende hin zu einem erstklassigen Bildungssystem nicht hin.

Frau Müller ergänzt, dass die Studie selbst schon erste Hinweise liefere, die Frau Oldenburg unbedingt angehen müsse. Sie führt aus, dass „unsere Lehrkräfte in Bürokratie ertrinken. Die Dokumentationspflichten müssen unbedingt reformiert und verringert werden.“ Außerdem, ergänzt Frau Müller, könnten multiprofessionelle Teams helfen die Arbeitsbelastung zu verringern.

Hintergrund:

Im Auftrag der Max-Träger-Stiftung und mit Unterstützung der Bildungsgewerkschaft GEW M-V haben Expert*innen der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Georg-August-Universität Göttingen eine umfassende Studie zur Arbeitssituation von Lehrkräften in Mecklenburg-Vorpommern vorgelegt.

Die Studienergebnisse zeichnen ein eindeutiges und alarmierendes Bild.

Über die Hälfte der Lehrkräfte steht einer Wiederwahl ihres Berufs ablehnend gegenüber oder ist sich nicht sicher, ob sie diesen erneut wählen würden. Nur 15 % würden den Beruf weiterempfehlen. Über 90 % berichten, dass Zeitdruck und die Wahrnehmung stetig steigender Arbeitsanforderungen zunehmen. 81 % geben an, dass ihre Arbeit ihnen nicht ausreichend Zeit für Familie, Freundschaften und private Interessen lässt – für einen Beruf, der lange als besonders familienfreundlich galt, ein gravierender Attraktivitätsverlust.

Die gesundheitlichen Befunde sind besorgniserregend: Nur 40 % der Lehrkräfte bewerten ihren allgemeinen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut – deutlich weniger als im bundesweiten Beschäftigtendurchschnitt. Beim Burnout-Risiko befinden sich lediglich

26 % im Normalbereich; 59 % weisen ein moderates und 16 % ein hohes Risiko auf. Hinzu kommt ein erhöhtes Depressionsrisiko: Beim psychischen Wohlbefinden (WHO-5) liegen die Lehrkräfte in M-V mit einem Mittelwert von 44 Punkten weit unter dem deutschen Beschäftigtendurchschnitt von rund 64 Punkten.

Diese Belastungen haben direkte Konsequenzen für die Personalsituation:

24 % der Lehrkräfte planen, im kommenden Schuljahr ihre Stunden zu reduzieren, und 60 % der über 55-Jährigen gehen davon aus, nicht bis zum regulären Pensionsalter im Schuldienst zu bleiben. Dies droht den ohnehin akuten Lehrkräftemangel weiter zu verschärfen – ein Teufelskreis, der die Bildungsqualität im Land langfristig gefährdet.