Unterwegs in den ländlichen Räumen

Der Herbst ist mittlerweile mit Wind, Wellen und kühleren Temperaturen in MV eingezogen. Zeit also mich noch einmal an wärmere Tage zu erinnern und meine Sommertour Revue passieren zu lassen. Jedes Jahr versuche ich meine Sommertour unter ein anderes Motto zu stellen. Dieses Jahr waren es insbesondere Projekte in den ländlichen Räumen, die ich mir in der einen Woche anschauen wollte. Da es die erste Sommertour nach meinem Amtsantritt als Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft war, bot sich der Fokus dies Mal ganz besonders an.

Inzwischen ist es bereits Tradition, dass bei meinen Sommertouren zumindest einmal ein kleiner Segeltörn dabei ist. Gestartet sind wir wieder in Stralsund mit der „AHAB“, um dies Mal mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich auf verschiedenste Weise mit der wirtschaftlichen Entwicklung im ländlichen Raum befassen. Mit an Bord waren neben einem Küstenfischer und einer Biolandwirtin weitere Menschen, die sich mit Vermarktungsstrategien, Nachhaltigkeitsstrategien und regionalen Lieferketten befassen. Die unvergleichliche Atmosphäre aus Sonne, Wind und sanftem Seegang schuf wie immer einen inspirierenden Rahmen für den Austausch über zukunftsweisende Ideen und Projekte.

Nach der Segeltour ging es dann hin zu den Macher*innen vor Ort.

Ohne Landwirtschaft sind ländliche Räume nur schwer vorstellbar. Sie prägt seit jeher das Bild von ländlichen Regionen. Mit dem Ministeriumshintergrund war für mich doppelt klar, dass Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe auf dem Programm stehen sollten.

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Während meiner Tour hatte ich das Privileg, einige bemerkenswerte Betriebe zu besuchen. Bei Matthias Zeitke in Lüssow erfuhr ich aus erster Hand von der faszinierenden Methode des pfluglosen Ackerbaus, die hier angewandt wird. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des Ökohofs Liescher in Teschow bei Teterow. Dort stieß ich auf eine Landwirtsfamilie, die mit viel Engagement sowohl eine Bio-Jungsauenzucht als auch konventionelle Landwirtschaft betreibt. Es war beeindruckend zu sehen, wie die zwei Generationen zusammenarbeiten, um den Betrieb zukunftsfähig zu machen.

Zusätzlich hatte ich die Gelegenheit, den Pflanzenbaubetrieb Grönfingers in Rostock zu erkunden. Während des Betriebsrundgangs traf ich auf Vertreter*innen des Zentralverbandes Gartenbau und des Wirtschaftsverbandes Gartenbau Norddeutschland. Insbesondere die kleineren Gartenbaubetriebe und Grünpflanzengärtnereien im ländlichen Raum haben es schwer – es fehlt auch hier an Fachkräften.

Neben diesen landwirtschaftlichen Betrieben besuchte ich auch zwei ambitionierte Projekte, die sich mit der Anpassung ländlicher Räume an die Klimakrise befassen. Eines davon war das Projekt „Ortsnaher Klimaschutzwald“ in Basthorst bei Crivitz, das von einem örtlichen Kunst- und Naturverein ins Leben gerufen wurde. Hier wird eine konventionell bewirtschaftete Waldfläche nach und nach in einen Klimaschutzwald umgewandelt, wobei die enge Zusammenarbeit mit dem Waldbesitzer, der Kommune und der lokalen Bevölkerung eine zentrale Rolle spielt. Zudem besuchte ich die Karrendorfer Wiesen, ein restauriertes Überflutungsmoorgebiet in der Nähe von Greifswald, wo ich die vielfältigen ökologischen und klimatischen Funktionen intakter Moorgebiete hautnah erleben konnte. Die Experten des Greifswald Moor-Centrums und der Succow-Stiftung führten mich fachkundig durch dieses beeindruckende Ökosystem.

Mobilität ist ein zentrales Thema, das uns alle, sowohl in Städten als auch auf dem Land, beschäftigt. Beim VLP in Hagenow erhielt ich einen Einblick in die Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV-Angebots im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Hier geht das Unternehmen wahrlich voran! Über 40 Elektrobusse sind bereits im Einsatz, und es laufen umfassende Umrüstungen der Betriebshöfe, um auf Elektromobilität umzustellen. Außerdem sind alle Haltestellen im Landkreis rund um die Uhr per Rufbus erreichbar. Für das kommende Jahr ist geplant, die Wartezeit für den Rufbus zu verkürzen und die Anzahl der Haltestellen zu erhöhen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es hier wirklich schnell in die richtige Richtung geht. Ein Grund dafür sei, so wurde mir gesagt, dass der Kreistag und die Kreisverwaltung hier mit großem Engagement alles Erforderliche tun, um die notwendigen Entscheidungen zu treffen, die Finanzierung abzusichern und den eingeschlagenen Weg erfolgreich zu bestreiten. Die Nutzerinnen und Nutzer jedenfalls honorieren dieses Engagement, denn die Fahrgastzahlen steigen stetig an. 

In der Gemeinde Steinhagen im Landkreis Vorpommern-Rügen traf ich den Bürgermeister und seinen Stellvertreter. Sie planen ein Grundstück im Ortskern zu einem Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft umzuwandeln, der Angebote zur Gesundheitsversorgung und gemeinschaftlichem Wohnen beinhaltet. Die Besichtigung der örtlichen Grundschule bestätigte den starken Gestaltungswillen der Gemeinde, da ein denkmalgeschütztes Schulgebäude aus DDR-Zeiten auf modernsten Standard saniert wird.

Beim Spaziergang durch den Feldberger Kur- und Wiesenpark besuchte ich das Feldberger Integrationszentrum (FIZ), ein Ort, an dem Integration aktiv gelebt wird. Das Zentrum bietet Betreuungsangebote für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen unter einem Dach, wobei die verschiedenen Angebote sowohl räumlich als auch konzeptionell miteinander verbunden sind. Ich war beeindruckt von dem engagierten Leitungsteam und den hochmotivierten Mitarbeitenden. Beim abschließenden Kaffeeklatsch mit Seeblick tauschten wir auch konkrete Zukunftsideen aus, die bereits dort umgesetzt werden.

Ich bin beeindruckt!

In den fünf Tagen im Sommer habe ich wieder an so vielen verschiedenen Orten im Land erfahren dürfen, was alles möglich ist und wird, wenn sich Menschen, Initiativen, Behörden, Unternehmen, Vereine und andere zusammentun und dann gemeinsam an ganz konkreten Projekten arbeiten. So vieles ist möglich, auch und gerade in den ländlich geprägten Gebieten. Aber klar ist auch, es braucht immer ein paar Wenige, oder auch zunächst Einzelne, die beharrlich vorangehen, Vernetzungsarbeit leisten, sich nicht beirren lassen und an den Erfolg ihrer Idee glauben.

Ich danke allen, denen ich unterwegs begegnet bin, die sich Zeit für mich genommen haben und mir geduldig und fachkundig meine Fragen beantwortet haben.

Im nächsten Jahr gehe ich wieder auf Sommertour in MV und ich freue mich schon sehr!

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