Anne Shepley & Cindy Wohlrab zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Zum „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ äußern sich Cindy Wohlrab, frauenpolitische Sprecherin des Landesverbands BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern, und Anne Shepley, frauenpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der bündnisgrünen Landtagsfraktion:

Cindy Wohlrab: „Gewalt gegen Frauen ist eine der am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen. Sie begegnet uns überall: Zuhause, auf der Straße, im Netz. Um das Bewusstsein für die Notlagen der betroffenen Frauen und Mädchen zu schärfen, brauchen wir landesweit gezielte Aufklärungskampagnen. Wir müssen für ein gesellschaftliches Klima sorgen, in dem nicht weggeschaut wird, wenn im Umfeld Gewalt an Frauen und Kindern ausgeübt wird. Zudem wird es nur mithilfe geeigneter Präventionsmaßnahmen gelingen, die Ursachen für die grassierende Gewalt effektiv zu bekämpfen.“

Anne Shepley: „Die aktuellen Entwicklungen zeichnen ein erschreckendes Bild: Die Zahlen registrierter Gewaltfälle gegen Frauen in Mecklenburg-Vorpommern steigen seit Beginn der Corona-Pandemie kontinuierlich an. Derweil kann die Landesregierung keine umfassende Strategie vorweisen, um dieser Situation auch nur ansatzweise gerecht zur werden. Der aktuelle Landesaktionsplan greift nicht weit genug. Nach der erforderlichen Evaluation muss die Landesregierung deshalb dringend eine umfassende Landesstrategie vorlegen. Zwar sind erste Schritte in diese Richtung unternommen worden, doch bei mehr als 4.000 registrierten Gewaltfällen gegen Frauen allein im vergangenen Jahr wird deutlich: Das alles geht viel zu langsam. Hinter jeder statistischen Zahl steht ein menschliches Schicksal, steht eine Mutter, eine Tochter, eine Schwester. Wir müssen jetzt alles Notwendige tun, um die Betroffenen wirksam zu schützen.“

Hintergrund:

Die Zahl registrierter Gewaltfälle gegen Erwachsene in Mecklenburg-Vorpommern ist im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr merklich angestiegen. Bei den gemeldeten Gewaltfällen waren fast 90 Prozent Frauen betroffen. In 85 Prozent der Fälle waren zudem Kinder involviert. Besonders die Corona-Pandemie hat zu einem starken Anstieg der registrierten Gewaltfälle geführt. Diese reichen von Beleidigungen, Einschüchterungen und Bedrohungen über physische und sexuelle Misshandlungen bis hin zu Vergewaltigungen. Expert*innen gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

Die Zahlen werden in den Einrichtungen des landesweiten Beratungs- und Hilfenetzes erfasst und durch die Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt in MV (CORA) bereitgestellt. www.cora-mv.de