30.07.2020

Lehrkräftemangel: Bedarfsplanung an Realität anpassen und Landesstipendien prüfen

Zu Beginn des neuen Schuljahres fordern die BÜNDNISGRÜNEN in MV eine realistische Bedarfsplanung für Lehrkräfte.

Zu Beginn des neuen Schuljahres fordern die BÜNDNISGRÜNEN eine realistische Bedarfsplanung für Lehrkräfte. Das Land plane noch immer auf Grundlage der Bevölkerungsprognose von 2012, tatsächlich werde es im Jahr 2030 aber mindestens 20.000 Schüler*innen mehr geben als damals angenommen. Nötig sei daher eine stärkere Erhöhung der Studienplätze. Die Senkung der enormen Abbruchquoten müsse konsequenter angegangen werden. Die GRÜNEN schlagen außerdem vor, Landesstipendien für Lehramtsstudierende zu prüfen, um schnellere Studienabschlüsse zu ermöglichen.

Dazu erklärt Ulrike Berger, Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern: „Die coronabedingte Abmeldung von 400 Lehrkräften hat den aktuellen Lehrkräftemangel noch einmal verschärft. Das droht aber zum Dauerzustand zu werden, weil das Bildungsministerium immer noch mit veralteten Zahlen plant. Es ist Zeit, der Realität ins Auge zu blicken! Die letzte Lehrerbedarfsprognose stammt von 2015 und operiert mit Bevölkerungsprognosen aus dem Jahr 2012. Doch die Realität hat diese Zahlen längst überholt. Wir haben schon jetzt rund 5.000 Schülerinnen und Schüler mehr als prognostiziert. Und der Höhepunkt ist noch nicht erreicht. In der neuesten Bevölkerungsprognose des Landes werden für das Jahr 2030 allein in der Altersgruppe der 6- bis 14-jährigen 20.000 junge Menschen mehr erwartet als bislang für 2030 angenommen wurden. Das ist natürlich eine gute Nachricht, aber dafür benötigen wir über 1.000 weitere Lehrkräfte. Zusätzlich zu den mehr als 6.000 Lehrer*innen, die bis 2030 ohnehin eingestellt werden müssen. Die insgesamt 125 neu geschaffenen Studienplätze für Grundschullehramt reichen dafür nicht aus. Die Kapazitäten müssen deutlich stärker ausgebaut werden und dafür brauchen wir eine jährlich aktualisierte Bedarfsplanung für Lehrkräfte.“

Christopher Dietrich, Sprecher der bündnisgrünen Landesarbeitsgemeinschaft Bildung führt aus: „Besonders problematisch sind die hohen Abbruchquoten in den Lehramtsstudiengängen. Insgesamt erreicht nur jeder 2. Studierende den Lehramtsabschluss. Wir brauchen darum bessere Studienbedingungen und mehr Praxisnähe. Auch neue Ansätze sind gefragt. Unser Vorschlag ist, über eine finanzielle Unterstützung der Lehramtsstudierenden nachzudenken. Angesichts des enormen Nachwuchsmangels haben wir alle ein Interesse daran, dass Studierende ihr Lehramtsstudium schnell absolvieren können. Landesstipendien können dafür einen Anreiz bieten und auch manchen Nebenjob überflüssig machen. Am Ende kann das für das Land preiswerter sein als teure Lehrerwerbekampagnen und Nachqualifikationen für immer mehr Seiteneinsteiger*innen.“

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