20.05.2020

Neustrelitzer Carolinum verfehlt im Umgang mit Corona-Tests das Ziel

Die GRÜNEN in MV fordern, die Markierung nach Corona-Tests am Gymnasium in Nestrelitz zu beenden. Die präventiven Tests sollten jedoch Modellprojekt werden.

Nach Ansicht der GRÜNEN MV hat das Neustrelitzer Gymnasium Carolinum im Umgang mit Corona-Tests eine rote Linie überschritten. Schülerinnen und Schüler, die negativ auf das Corona-Virus getetest wurden, erhalten dort einen grünen Punkt und genießen größere Freiräume als nicht getestete. Dieses Vorgehen müsse umgehend eingestellt und die präventiven Tests zu einem wirklichen Modellprojekt gemacht werden.

Dazu die Landessprecherin der GRÜNEN in MV, Ulrike Berger:
„Es ist grundsätzlich gut, nach klugen Wegen im Umgang mit der Corona-Pandemie zu suchen. Mit der Kennzeichnung getesteter Schülerinnen und Schüler ist das Neustrelitzer Carolinum aber klar über das Ziel hinaus geschossen. Das Bildungsministerium sollte hier einschreiten. Dieses Modell kann auf keinen Fall Vorbild für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern oder irgendeine andere Institution werden. Wir dürfen gar nicht erst anfangen, Menschen danach zu markieren, ob sie eine Krankheit haben oder getestet wurden. Unterschiedliche Freiheitsrechte dürfen von diesen Markierungen erst recht nicht abhängig sein. Solche Ansätze führen zu Stigmatisierung und erhöhen den Druck, an den eigentlich freiwilligen Tests teilzunehmen. Wenn wir solche Methoden bei Corona zulassen, werden wir sie auch bei anderen Gelegenheiten und anderen Infektionskrankheiten nicht mehr verhindern können. Tests sollen dazu da sein, tatsächliche Infektionen zu erkennen. Damit kann der Schutz der Mitmenschen verbessert werden, zusätzliche Markierungen sind dafür gar nicht nötig. Dass sich Gruppeneinteilungen und Markierungen schnell verselbständigen können, ist sehr eindrucksvoll in dem Buch "Die Welle“ beschrieben.“

Falk Jagszent, Vorsitzender der bündnisgrünen Fraktion im Kreistag Mecklenburgische Seenplatte, ergänzt:
„Getestete und nicht getestete Schülerinnen und Schüler dürfen nicht unterschiedlich behandelt werden. Das Carolinum, dessen Träger unser Landkreis ist, sollte diese Markierungen darum sofort abschaffen. Die Tests selbst halten wir als Modellversuch wiederum für sinnvoll. Es sollte aber ein echtes Modellprojekt sein, mit transparenter Begleitung durch Wissenschaft, Gesundheits- und Bildungsministerium. Nur so können dann auch belastbare Erkenntnisse für andere Schulen gewonnen werden. Die Frage muss ja lauten, ob präventive Tests das Infektionsrisiko so stark verringern können, dass ein regulärer Schulbetrieb wieder möglich ist. Dafür brauchen wir verlässliche Daten und eine Landesregierung, die die Schulen bei der Bekämpfung der Pandemie unterstützt, statt sie allein zu lassen.“

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