29.10.2010

SPD setzt weiter falsche Prioritäten in der Energiepolitik

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Mecklenburg-Vorpommern gehen auf Distanz zu den Äußerungen von Ministerpräsident Sellering zur Kernfusion. „Der SPD fehlt weiter ein klarer Kurs in der Energiepolitik“, kritisiert Jürgen Suhr, Landesvorsitzender der Grünen. „Die Kernfusion wird auch nach Angaben der Befürworter frühestens 2050 zur Energieversorgung beitragen können. Das ist zu spät, denn bis dahin müssen wir bereits die konsequente Umstellung auf erneuerbare Energien geschafft haben, wenn wir den Klimawandel begrenzen wollen. Doch statt in Windenergie, Sonne, Biomasse und Geothermie zu investieren, unterstützt die Landesregierung mit Millionenbeträgen die Forschung an der Kernfusion. Bei knappen Finanzmitteln muss man Schwerpunkte setzen. Dies versucht die SPD zwar zunehmend mit Worten, auch um nach den gescheiterten Planungen für das Kohlekraftwerk Lubmin ihr energiepolitisches Image aufzubessern, aber es fehlt die konsequente Umsetzung.“

Die zu erwartenden Bau- und Betriebskosten des Forschungsprojektes Wendelstein 7-X in Greifswald haben sich von geplanten 550 Millionen Euro bereits auf über eine Milliarde Euro erhöht. Bis zur Fertigstellung des Projekts sind weitere Kostensteigerungen zu erwarten. Das Land Mecklenburg-Vorpommern ist mit sieben Prozent an den Baukosten beteiligt.

Die Kernfusion stärkt das System einer zentralistischen Energieversorgung. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich daher für eine schnelle Umlenkung der Forschungsmittel zugunsten der Erneuerbaren Energien und der Energiespeichertechnologien ein. „Diese werden entscheiden, ob wir die Klimaschutzziele bis 2050 erreichen“, so Suhr.

Die Grünen weisen darauf hin, dass die Kernfusion auch erhebliche Sicherheitsrisiken berge. Durch die entstehende Neutronenstrahlung bei der Verschmelzung von Deuterium und Tritium entstehen radioaktive Nukleide im Umfeld des Fusionsbereichs. Dass bei Fusionsreaktoren keinerlei verseuchter Abfall entstehen werde, ist bestenfalls ein leichtfertiges Versprechen, solange die notwendigen Materialerprobungen noch nicht einmal angefangen haben. Die Kernfusionsreaktoren können auch zur Erbrütung von atomwaffenfähigem Plutonium missbraucht werden, was der weltweiten Anwendung der Technologie deutliche Grenzen setzen muss. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern daher in der Energiepolitik des Landes und der SPD ein deutliches Umsteuern.

URL:http://gruene-mv.de/start/news-detail/article/spd_setzt_weiter_falsche_prioritaeten_in_der_energiepolitik/archive/2010/october/