09.04.2020

Kultur ist mehr wert als 1%

Unter http://gruene-bag-kultur.de ist das Positionspapier der BAG Kultur von Bündnis 90/Die Grünen zu finden.

Unter http://gruene-bag-kultur.de ist das Positionspapier der BAG Kultur von Bündnis 90/Die Grünen zu finden.

Anlässlich der Ankündigung der Landesregierung die Künstlerinnen und Künstler, sowie die Kulturveranstalter mit 20 Mio. Euro zu unterstützen erklärt die Landesarbeitsgemeinschaft Kultur von Bündnis 90/DIE GRÜNEN folgendes:

Dr. Johannes Kalbe: „Wir freuen uns sehr, dass die Landesregierung die vielfältige Kulturszene finanziell unterstützen will. Allerdings spiegeln 20 Mio. Euro lediglich 1,1% der Landeshilfen wider. Da der Kulturbereich massiv von den aktuellen Maßnahmen betroffen ist, wäre eine es sinnvoll die Kulturlandschaft auch adäquat bei den Unterstützungshilfen abzubilden. Die fehlenden Einnahmen, etwa durch entfallende Eintrittsgelder bedrohen Künstlerinnen und Künstler fundamental. Die Mittel in der derzeitigen Höhe sind kaum geeignet den zahlreichen Kulturvereinen und -betrieben über die kommenden Monate hinwegzuhelfen und es droht in Mecklenburg-Vorpommern ein nie dagewesener Wegfall von Kulturangeboten. Das trifft nicht nur die Bevölkerung, wenn die bisherigen Isolationsmaßnahmen aufgehoben werden, sondern insbesondere auch die Tourismusbranche nochmal mit aller Härte, für die kulturelle Veranstaltungen eine wichtige saisonverlängernde Maßnahme sind. Die „Festspiele MV“, „Kunst offen“ oder auch das Stralsunder „Ozeaneum“ haben in den letzten Jahren konstant unter Beweis gestellt, dass sie eine wichtige Stütze der hiesigen Wirtschaft sind. Ferner befürchten wir, dass die Verteilung der knappen Mittel auf die kulturellen „Leuchttürme“ im Land konzentriert werden und die zahlreichen „kleineren“ Veranstaltungsagenturen, Galerien und Studios leer ausgehen.“ 

Miro Zahra ergänzt: „Die jetzt in Aussicht gestellten Hilfen für unabhängige Künstler*innen können nur ein erster Schritt der Unterstützung sein. Die Überbrückungsstipendien in Höhe von 2000 Euro für Arbeitsmaterialien sind auf drei Monate gerechnet gerade mal 666 Euro pro Monat. Hinzukommt, dass diese Unterstützung die Wirtschaftssoforthilfe für Selbstständige explizit ausschließt. Damit sind Künstlerinnen und Künstler auf die Grundsicherung (ALGII) angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Da Künstler*innen nach wie vor durchgängig produktiv sein sollen und auch sind, wäre es viel angemessener gewesen, wenn das Land der Forderung der Künstlerinnen und Künstler gefolgt wäre und pauschal 1180 Euro pro Monat für die Überbrückung der schwierigen Krisenzeit ausgezahlt hätte. Das hätte auch sehr viel unnötige Bürokratie erspart.

Mit großer Sorge sehen wir aber auch die wirtschaftliche Lage der gemeinnützigen Kulturvereine (es gibt auch gemeinnützige Kulturvereine mit Angestellten), die keine Angestellten haben, die auf Kurzarbeit gesetzt werden könnten und nun mit ihrer größtenteils ehrenamtlichen Struktur zahlreiche Kulturveranstaltungen umorganisieren sollen. In der derzeitigen wirtschaftlich-unsicheren Lage ist dies kaum erwartbar.

Wenn der „Kultur-Schutzfonds“ mehr als eine symbolischer Beitrag sein soll, muss hier unbedingt durch die Landesregierung nachgebessert werden. Ansonsten droht uns allen das bittere Erwachen nach der Krise, wenn zwar alle wieder Kulturveranstaltungen besuchen können, es aber niemanden mehr gibt, der wirtschaftlich überlebt hat und nun Kunst und Kultur anbieten kann."

URL:https://gruene-mv.de/start/news-detail/article/kultur_ist_mehr_wert_als_1/