26.09.2016

Jaeger: Gas als Stromspeicher ist derzeit nicht praxistauglich

Johann-Georg Jaeger

Der Energieexperte des Landesverbandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN MV, Johann-Georg Jaeger, begrüßt eine Debatte um Alternativen zum langsamen Ausbau des Stromnetzes und der Stromspeicher. Jaeger hält den Vorschlag der Gasbranche, mit dem "Power-to-Gas"-Verfahren Strom im Gasnetz zu speichern und in den Süden zu transportieren, auf absehbare Zeit jedoch nicht für zielführend. Das "Power-to-Heat"-Verfahren, mit dem Wärme aus Strom erzeugt wird, biete aktuell eine wesentlich effektivere und flexiblere Möglichkeit, um zeitweiligen „Überschussstrom“ lokal sinnvoll als Zusatzheizung zu nutzen.

Dazu erklärt Jaeger:

"Ich begrüße den Vorstoß der Gasbranche, denn er spricht ein großes Problem, die Speicherfrage, an. Wohin mit dem Strom, wenn unsere Wind- und Solaranlagen besonders viel Strom erzeugen? Nur für diese Spitzenzeiten wird eine solche zusätzliche Infrastruktur benötigt. Wir sprechen aktuell von zirka 3 Prozent des produzierten Stromes, der nicht genutzt wird, da Anlagen erneuerbarer Energien
in unserem Land in Stromspitzenzeiten abgeschaltet werden. Dafür die Power-to-Gas-Technologie zu installieren, ist aufgrund des geringen Wirkungsgrades energiewirtschaftlich keine sinnvolle Lösung, denn sowohl bei den notwendigen Umwandlungsprozessen als auch beim Transport geht zu viel Energie verloren. Das Potential des "Power-to-gas"-Verfahren liegt in der Erzeugung sauberer Brennstoffe. Doch dafür braucht es mehr Forschung um den Wirkungsgrad und die Flexibilität des Verfahrens wesentlich zu steigern. Hier ist der Bund, das Land und die Branche gefragt.

Effizienter, billiger und sofort einsetzbar ist jedoch das Verfahren "Power-to-heat", bei dem mit Strom Wärme erzeugt werden kann, etwa für das Fernwärmenetz. Wird hier Strom aus regenerativen Quellen eingesetzt, lässt sich dank eines Wirkungsgrades von fast 100 Prozent Erdgas umweltfreundlich einsparen. Gleichzeitig sind die Investitionskosten sehr niedrig, denn Elektro-Heißwasserkessel, Elektroheizungen und Wärmepumpen sind etablierte Technologien und vielerorts bereits vorhanden. Damit sich Power-to-heat im Land weiter durchsetzen kann, muss die Landesregierung jetzt geeignete Netzgebiete mit gut ausgebautem Nah- und Fernwärmenetz identifizieren und hier alle beteiligten Akteure zusammenbringen. Darüber hinaus muss auf der Bundesebene der regulatorische Rahmen so gestaltet werden, dass Hemmnisse für eine wirtschaftlich sinnvolle Darstellung von Sektorenkopplungsprojekten abgebaut werden und sich Geschäftsmodelle in diesem Bereich entwickeln können."

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