03.07.2012

Förderstopp auch für Altanträge zur Erweiterung der industriellen Tierhaltung

„Wir reden hier nicht über vier oder fünf Betriebe oder die Aufstockung um 1.000 Tierplätze. Gefördert werden sollen die großen Intensivanlagen Deutschlands mit 200.000 bis 400.000 Mastplätzen und enormen Auswirkungen auf Anwohner und Umwelt", Felgner weiter. In Planung seien 19 Projekte in der Schweinemast mit über 200.000 Tierplätzen und 17 Neu- oder Ausbauten bei Geflügelhaltungsanlagen mit einer Kapazität von etwa 2,5 Millionen Tierplätzen.*

Hintergrund ist die vom Landwirtschaftsministerium forcierte Entstehung und Erweiterung zahlreicher Hähnchen- und Schweinemastanlagen in MV. Trotz Förderstopps sollen Anträge, die vor dem 1. Oktober 2011 gestellt wurden, nach altem Recht weiterbearbeitet werden.

Zudem sind nach Ansicht der GRÜNEN die neuen Förderbedingungen für Tierhaltungsanlagen im Land völlig unzulänglich. So werde beispielsweise die Gewährung der Zuschüsse an den theoretischen Viehbesatz von maximal zwei Großvieheinheiten pro Hektar im Betrieb gekoppelt, trotzdem dürfe aber in der Praxis die Haltung völlig losgelöst von der Fläche stattfinden: „Das heißt, dass Futter komplett zugekauft werden kann und es völlig irrelevant ist, wozu die im Betrieb vorhandene Fläche genutzt wird. Vom Paradigmenwechsel hin zu einer bodengebundenen Landwirtschaft, von dem Minister Backhaus spricht, ist man also noch weit entfernt“, so Felgner.

 „Ein Ammenmärchen, das immer wieder als Köder hingeworfen wird, ist: 'Größere Anlagen und Tierbestände schaffen Arbeitsplätze.' Dabei ist aber belegt, dass gerade in den großen Mastanlagen weniger Kräfte arbeiten müssen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten“, erklärt die Landesvorsitzende weiter. „Auf 400.000 Tiere mehr kommt im Schnitt nur eine neue Arbeitskraft dazu, vieles ist automatisiert und groß geschrieben wird hier nur die Quantität.“ Chancen für den Arbeitsmarkt böten sich hier also nicht.

Immer wieder müsse zudem unterstrichen werden, dass die Gesundheitsgefahren bei industrieller Tierhaltung ein riesiges  Problem seien - ganz zu schweigen davon, was die Tiere in dieser Haltungsform ertragen müssten. Felgner erläutert: „Wenn wir in M-V über die Tierhaltung reden, ist nicht die immer wieder angeführte landesweite durchschnittliche Tieranzahl pro Hektar entscheidend. Vielmehr müssen wir ganz klar über zu viele Tiere auf engstem Raum reden, wodurch sich die Ansteckungsgefahr der Tiere untereinander und die Keimbelastung potenzieren.“ Steter, überhöhter und auch unnötiger Antibiotikamissbrauch (auch Humanantibiotika) zur Rationalisierung der Tierwirtschaft sei eine ernstzunehmende Gefahr. Er führe zu Antibiotikaresistenzen bei Erregern und Keimbelastung im Fleisch: „Die Übertragung erfolgt nicht nur durch das Essen von eventuell nicht durchgebratenem Fleisch“, so die Landesvorsitzende. „Über Düngung landen die Keime auf dem Gemüse oder sie werden eingeatmet. Betroffen sind nicht nur Arbeiterinnen und Arbeiter in den Anlagen, sondern über Abluft auch Menschen, die im Umfeld von Intensivtierhaltung leben. All dies muss nicht sein, wenn Landesregierung und Wirtschaft endlich umdenken. Antibiotikaresistente Keime kommen deutlich häufiger in konventionellen Tierhaltungen vor als in ökologischen Betrieben. Landwirtschafstbetriebe mit alternativen Haltungsformen haben gezeigt, dass man Tiere artgerecht und angemessen halten kann und die Wirtschaftlichkeit trotzdem nicht darunter leiden muss.“

*vgl: BUND 12/2011

URL:https://gruene-mv.de/start/news-detail/article/foerderstopp_auch_fuer_altantraege_zur_erweiterung_der_industriellen_tierhaltung/archive/2012/july/