02.02.2018

Von: Anne Kubik

Fleischkennzeichnung: Handel prescht vor, Bund blamiert sich

Claudia Schulz, agrar- und umweltpolitische Sprecherin

Zur geplanten Einführung einer Fleischkennzeichnung bei Lidl ab April 2018 sagt Claudia Schulz, agrar- und umweltpolitische Sprecherin der GRÜNEN MV:

„Es ist definitiv ein Sieg und richtungsweisend, dass Lidl eine Haltungskennzeichnung für Fleisch einführen will und damit auf den Druck von Tierschützern und Verbrauchern reagiert. Zumindest der Discounter hat den Handlungsbedarf erkannt – ganz im Gegensatz zur Bundesregierung. Es ist beschämend, dass der Handel sich mehr für die Interessen der Bürger einsetzt als der Staat. Denn der blamiert sich inzwischen mit einem nur freiwilligen Siegel – was zudem auch noch verschleppt wird. Bundesagrarminister Schmidt hat nämlich schon vor über einem Jahr angekündigt, ein Siegel einzuführen. Passiert ist seitdem aber nichts.

Und so werden die Siegel einfach immer mehr und dadurch nur unübersichtlicher: Mittlerweile gibt es über 100 verschiedene Kennzeichen für Fleisch. Das ist alles andere als transparent oder verbraucherfreundlich. Die Bundesregierung kommt daher nicht drum herum, endlich Licht in den Dschungel zu bringen und eine verständliche und einheitliche Regelung zu treffen. Wir wollen und brauchen eine für alle verpflichtende, leicht nachvollziehbare Kennzeichnung der unterschiedlichen Haltungsbedingungen für Fleisch, analog zur Eierkennzeichnung! Denn erst mit einem einheitlichen verständlichen System entstehen Vertrauen und tatsächliche Wahlfreiheit bei den Verbrauchern. Erst dann kann sich die Bereitschaft der Verbraucher, mehr Geld für Fleisch aus artgemäßer Haltung auszugeben zu wollen, auch tatsächlich im Kaufverhalten niederschlagen. Um das Tierwohl bemühte Bauern würden dann auch endlich für ihre Anstrengungen mit fairen Preisen entlohnt werden können.“

URL:http://gruene-mv.de/start/news-detail/article/fleischkennzeichnung_handel_prescht_vor_bund_blamiert_sich/