01.04.2021

Die falschen Inzidenzen in Vorpommern-Greifswald müssen dringend korrigiert werden

Dr. Terpe: "Die falschen Inzidenzen müssen dringend korrigiert werden."

Bereits seit Mitte Februar kommt es im Landkreis Vorpommern-Greifswald zu massiven Meldeverzügen, die in dieser Form bundesweit einmalig sind. Dies irritiert besonders, da der Landkreis bis Mitte Februar wie alle anderen Landkreise in MV und bundesweit zuverlässige Zahlen gemeldet hatte.

Die Meldeverzüge führen dazu, dass für den Landkreis Vorpommern-Greifswald in kreiseigenen Veröffentlichungen und in Veröffentlichungen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGuS) eine wesentlich geringere Inzidenz angegeben wird, als dies korrekt wäre.

Hierzu Dr. Harald Terpe, GRÜNER Spitzenkandidat zur Landtagswahl und von 2005 bis 2017 Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestags:

„Ohne korrekte Daten können wir die Bevölkerung nicht verantwortungsvoll schützen. Bisher gab es weder auf Landesebene noch vom Landkreis wahrnehmbare Reaktionen auf die seit Wochen bekannten Missstände bei der Meldung der tatsächlichen Infektionszahlen in Vorpommern Greifswald. Und das, obwohl die Gefahrenlage eindeutig ist. Wir stehen am Anfang der dritten Welle, wir können uns keine falschen Angaben durch die Verantwortlichen leisten.“

Hannes Damm, Landtagskandidat, Kreisvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Vorpommern-Greifswald und Mitglied des wissenschaftlichen Rechercheteams, das die Missstände aufgedeckt hat, ergänzt:

„Die Inzidenz-Abweichungen durch verspätete Meldungen sind signifikant: Am 25. März zum Beispiel wurde eine Inzidenz von 118,0 durch Landkreis und LAGuS gemeldet. Das RKI gibt für diesen Tag inzwischen eine Inzidenz von 201,6 an. Die Abweichung ist hier über 70 Prozent - Tendenz steigend. In den letzten Wochen wurden auf Grundlage der falschen Zahlen des Landkreises großzügige Öffnungsschritte mitten hinein in eine sich zuspitzende Infektionslage veranlasst. Die Veränderung der Meldesystematik von einem Tag auf den anderen ist deutschlandweit einzigartig. Sie ist die Ursache für die falschen Indezenzen. Während zuvor im Kreis Vorpommern-Greifswald in aller Regel tagesaktuell gemeldet wurde, gibt es seit Mitte Februar plötzlich Verzögerungen von mehreren Tagen. Da in Vorpommern-Greifswald ein Fall an dem Tag gemeldet wird, an dem er auch isoliert wurde, offenbart ein tagelanger Meldeverzug auch eine tagelang verzögerte Isolierung - ein gefährlicher Pandemietreiber! Davon persönlich betroffen sind seit Februar mehrere tausend Menschen im Kreis. Entweder, weil sie extrem spät über die eigene Infektion informiert wurden oder weil ihnen als Kontaktperson erst Tage später mitgeteilt wurde, dass sie Kontakt zu nachweislich Infizierten hatten und möglicherweise sich selbst und andere angesteckt haben.“

Ulrike Berger, Vorsitzende der Kreistagsfraktion „GRÜNE und Tierschutzpartei“ in Vorpommern-Greifswald, fügt hinzu:

„Seit Wochen weigert sich Landrat Sack unsere Fragen zur Kontaktnachverfolgung, Berechnung und Meldung der Inzidenzwerte zu beantworten. Parallel zu den einsetzenden Meldeverzögerungen strukturierte der Landrat die für die Meldungen zuständige Abteilung um. Er besetzte sie personell neu und hat sie durch eine Angliederung direkt unter ihm als Landrat zur ‚Chefsache‘ gemacht. Damit ist der Landrat auch persönlich mitverantwortlich. Eine Verschleppung der Ursachenforschung und -behebung durch den Landrat und seine nachgeordneten Dienste stellt insofern eine Verletzung der Dienstpflichten dar. Deshalb haben wir das Innen- und das Sozialministerium um Überprüfung möglicher Dienstpflichtverletzungen gebeten. So können die seit Wochen anhaltenden Verzögerungen bei der Meldung der Fallzahlen, der Isolierung betroffener Personen und der systematischen Unterschätzung der 7-Tage-Inzidenzwerte hoffentlich bald aufgeklärt werden."

URL:https://gruene-mv.de/start/news-detail/article/die-falschen-inzidenzen-in-vorpommern-greifswald-muessen-dringend-korrigiert-werden/