22.01.2019

Von: Anne Kubik

Berger: Gutes Schulessen ist Pflicht, nicht Kür!

Ulrike Berger, Landesvorsitzende

Nach vielen Jahren der Ignoranz fordern nun auch CDU-Abgeordnete Ernährungsbildung an den Schulen und dass in der Schulverpflegung die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung umgesetzt werden. Dazu erklärt Ulrike Berger, Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern:

„Die CDU, die seit zwölf Jahren unser Land mitregiert, hätte schon längst entsprechende Maßnahmen ergreifen können. Eine gute Gelegenheit gab es z.B. 2015, als die GRÜNE Landtagsfraktion dazu eine Initiative* vorgelegt hat – die von allen Seiten abgeschmettert wurde.

Nach wie vor fordern wir, dass die Ernährungsbildung in den Rahmenlehrplänen den Stellenwert bekommt, den beispielsweise die Europäische Union ihr beimisst. Diese sieht sieben sehr große Themenfelder – angefangen bei Essgewohnheiten bis hin zur Lebensmittelverarbeitung – vor. Allein davon wird nur ein ganz kleiner Bruchteil in den Lehrplänen Mecklenburg-Vorpommerns tatsächlich auch angewandt. Das Bildungsministerium gibt die Rahmenlehrpläne heraus, fühlte sich bislang jedoch nicht zuständig die EU-Richtlinien auch für MV zu übernehmen. Auch müsste die Bildungsministerin endlich eine Schulgesetzänderung veranlassen, nach der die DGE-Standards verpflichtend eingehalten werden müssen. In Mecklenburg-Vorpommern sind diese Standards gemäß DGE-Studie jedoch nur 41 Prozent der befragten Schulleitungen und 50 Prozent der Schulträger überhaupt bekannt. Die Umsetzungsquote ist deutlich geringer. Daran hat sich bis heute wenig geändert.

Schüler verbringen bis zu zehn Stunden täglich in Bus, Schule und Hort oder auch in der Ganztagsschule. Wer gesunde SchülerInnen möchte, muss deshalb auch für eine abwechslungsreiche, gesunde und bezahlbare Schulverpflegung und für eine praxisnahe Ernährungsbildung, beispielsweise mit Schulgarten, sorgen!“

*Antrag der BÜNDNISGRÜNEN Fraktion im Landtag vom 17.6.2015: www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/dokument/36196/.pdf

 

 

Hintergrund:

Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Auftrag der Bundesregierung offenbarte bereits im Jahr 2015 erhebliche Defizite bei der Vielfalt, Ausgewogenheit und Qualität des Schulessens, bei der Qualitätskontrolle und der Lebensmittelsicherheit. In Mecklenburg-Vorpommern besteht bei der Ausgestaltung der Schulverpflegung der Studie zufolge sogar ein überdurchschnittlicher Verbesserungsbedarf. Auch die Teilnahmequoten sind mit rund 70 Prozent an Grundschulen und nur 38 Prozent an den weiterführenden Schulen vergleichsweise gering.

Die DGE hat praxistaugliche Qualitätsstandards für die Schulverpflegung erarbeitet, deren Umsetzung sowohl von der Bundes- als auch von der Landesregierung empfohlen wird.

 

Eine aktuelle Studie der DGE zu den Preisstrukturen in der Schulverpflegung aus dem November 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass „eine qualitativ hochwertige und ausgewogene Schulverpflegung nur unwesentlich mehr koste“.

 

Einige DGE-Kriterien:

- ein tägliches Angebot an Rohkost, Salat oder gegartem Gemüse, eine Stärkebeilage sowie ein Getränk mit mindestens 0,2 Liter (im Menüpreis enthalten)
- täglich ein vegetarisches Gericht zur Auswahl
- ein regelmäßiges Obstangebot (ohne Zuckerzusatz)
- im Zyklus von 4 Wochen (20 Essen) mindestens 4-mal Fisch auf dem Speiseplan (aus nicht überfischten Beständen)
- die Berücksichtigung von saisonalen und regionalen Lebensmitteln
- die Berücksichtigung von Wünschen und Vorschlägen der Schülerinnen und Schüler
- 45 Minuten Zeit zur Esseneinnahme (in Mecklenburg-Vorpommern nur in 11 Prozent der Fälle gewährleistet) in angenehmen und hellen Essenräumen

- kostenloses Trinkwasser während des Schulalltags (auch im Unterricht).

URL:http://gruene-mv.de/start/news-detail/article/berger_gutes_schulessen_ist_pflicht_nicht_kuer/archive/2019/january/